Rechercher dans ce blog

Tuesday, October 19, 2021

Energiepreis: "Viele Router verbrauchen mehr als ein sparsamer Kühlschrank" - ZEIT ONLINE

Die Nachrichten zu steigenden Energiepreisen nehmen beständig weiter Fahrt auf: Allein für September meldete das Vergleichsportal Check24 für den Gasgroßhandel eine Preissteigerung um 451 Prozent im Vergleich zum September 2020. Erste Versorger kündigten ihren Gaskunden. Auch der Ölpreis lag teilweise so hoch wie seit Jahren nicht. 

Gleichzeitig rechnet die Energiebranche damit, dass der Strom teurer wird – obwohl die Kilowattstunde bereits jetzt mehr kostet als je zuvor. "Die Preise werden in den nächsten Monaten wohl noch hoch bleiben", sagt Andreas Löschel, Professor für Umwelt-, Ressourcenökonomik und Nachhaltigkeit an der Ruhr-Universität Bochum.

Eine gute Zeit, um ein paar Tipps einzuholen: Wie kann man Energie sparen?

Alle Fragen im Überblick:

Mehr anzeigen

Angebote vergleichen, Tarif wechseln

Wer den Anbieter wechselt, kann Geld sparen. Besonders diejenigen, die ihre Energie über die Grundversorgung beziehen. Verbraucherinnen und Verbraucher haben ein Recht auf Energieversorgung, deswegen landen in der Grundversorgung alle, die keinen besonderen Tarif für Gas oder Strom vereinbaren.

Klingt erst einmal gut. Nur: Die Preise der Grundversorgung sind hoch. Unternehmen sichern sich so ab, weil sie verpflichtet sind, alle Kunden anzunehmen – auch solche, die in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Der Vorteil: Die Kündigungsfrist beträgt nur zwei Wochen. Aber auch bei anderen Anbietern besitzt man als Kunde ein Sonderkündigungsrecht, wenn etwa Preiserhöhungen angekündigt werden.

"Durch einen Vertragswechsel kann man erheblich sparen", sagt Professor Löschel. Verivox geht beim Gas von mehreren Hundert Euro pro Jahr aus. Haushalte können dem Vergleichsportal zufolge im Schnitt zwischen mehr als 120 Anbietern auswählen. Allerdings haben erste Versorger, darunter E.on, das Neukundengeschäft bei Gas vorübergehend eingestellt – der Brennstoff ist zu teuer geworden.

"Sie kriegen immer einen günstigeren Vertrag, besonders, wenn sie einen Tarif in der Grundversorgung haben", sagt Löschel. Aber es gebe Grenzen, gerade aktuell: "Die Versorger kaufen alle am gleichen Markt." Jetzt könnten sogar Verträge mit längerer Laufzeit spannend sein. Versorger kalkulieren die auf lange Sicht wohl wieder sinkenden Preise möglicherweise mit ein.

Heizung verstehen und nachhaltig einstellen

Indem man das eigene Heizverhalten ändert, "können wir sehr viel Energie einsparen", sagt Günter Merkel. Als Energieberater der Verbraucherzentrale besitzt er Einblick in etliche Haushalte.

Was viele nicht wissen: Mit dem Thermostat am Heizkörper regelt man nicht die Einstellung der Heizung, sondern auch die Raumtemperatur. Manche stellen die Thermostate an ihren Heizkörpern auf unterschiedliche Stufen, lassen aber die Zimmertüren offen. Dadurch versorgt der wärmere Heizkörper andere Räume mit, obwohl er dafür gar nicht ausgelegt ist. Das erhöht den Energieverbrauch erheblich.

Merkel hat alle Thermostate der Heizkörper in seiner 90-Quadratmeter-Altbauwohnung auf Stufe 2 gestellt. In seinem Fall liegt die Zimmertemperatur bei 21,5 Grad. Seine vierköpfige Familie, sagt er, spart damit mehr als die Hälfte der Heizenergie ein, vergleicht man die Kosten mit der Zeit, als sie die Thermostate noch unterschiedlich regelten.

Temperatur bei Abwesenheit senken

Es spricht auch nichts dagegen, die Temperatur in Räumen wie dem Schlafzimmer niedriger einzustellen. Dort reichen auch 18 Grad Celsius. Bloß sollten die Türen geschlossen bleiben. Sonst entweicht nicht nur Wärme, es droht auch Schimmel.

Sinnvoll ist, die Temperatur nachts oder während der Arbeitszeit abzusenken. Merkel rät dazu, moderat vorzugehen – damit die Außenwände nicht zu sehr auskühlen. Sonst besteht neben Schimmelgefahr auch das Risiko, bei der Wiedererwärmung mehr statt weniger Energie zu verbrauchen.

Die Verbraucherzentrale rechnet vor: Wer es moderat angeht und die Temperatur regelmäßig um vier Grad absenkt, kann seine Heizkosten um bis zu zehn Prozent verringern.

Heizkörper freiräumen, Nischen dämmen

Falls Heizkörper nicht richtig warm werden oder gluckern, müssen sie unter Umständen entlüftet werden. Wenn Luft in der Heizung ist, verteilt sich das Heizwasser nicht gut. Mit einem Entlüfterschlüssel kann man sie leicht selbst ablassen.

Ebenfalls einfach zu lösen: Wenn Möbel oder Vorhänge Heizkörper verdecken, geben die ihre Wärme nicht vollständig an den Raum ab. Ein Sofa etwa braucht mindestens 30 Zentimeter Abstand zur Heizung. Und Vorhänge sollten oberhalb des Heizkörpers enden.

Auch lohnt es sich, die Heizungslamellen regelmäßig mit einer speziellen Bürste zu reinigen. Es klingt banal, tatsächlich kann Reinlichkeit aber dazu führen, dass man das Thermostat um bis zu drei Stufen herunterdrehen kann – und der Raum bleibt genauso warm wie vor der Putzaktion.

Bei alten Wohnungen geht zudem viel Energie verloren, weil Heizkörpernischen und -rohre nicht oder nicht ausreichend gedämmt sind. Dämmmaterial aus dem Baumarkt schafft Abhilfe.

Stoß- und querlüften – und bei Bedarf

Egal, wie kalt es draußen ist: Lüften muss sein. Die Feuchtigkeit muss raus und Sauerstoff rein. Dafür eignen sich Stoß- oder Querlüften. Stoßlüften bedeutet, dass die Fenster weit geöffnet und die Zimmertüren geschlossen sind. Beim Querlüften öffnet man gegenüberliegende Fenster und die Zimmertüren.

In der Übergangszeit rät Energieberater Merkel zu zehn bis 15 Minuten Lüften, ein- bis zweimal am Tag. Im Winter, wenn es richtig kalt wird, genügen auch mal nur drei bis fünf Minuten für ausreichend Frischluft. Dabei die Heizung kurz aus-, aber direkt im Anschluss wieder andrehen, so kühlen die Räume nicht zu sehr aus.

Außerdem sollte man immer dann lüften, wenn die Raumluft viel Feuchtigkeit enthält: nach dem Duschen oder Baden, nach dem Kochen oder dem Aufstehen.

Warmwasser nicht zu heiß einstellen

Gerade bei Haushalten, in denen Wasser elektrisch beheizt wird, kann die Stromrechnung in diesem Jahr ins Geld gehen. Immerhin gibt es im Handel Durchflussbegrenzer: Sie sorgen dafür, dass weniger Wasser durch den Hahn läuft. "Man könnte ihn auch einfach weniger aufdrehen", sagt Merkel. Aber die Erfahrung zeige: Gerade bei mehreren Bewohnerinnen und Bewohnern sind solche Hilfsmittel sinnvoll.

Boiler und Durchlauferhitzer müssen nicht auf höchster Stufe stehen. "In der Dusche reichen 42 bis maximal 45 Grad Celsius", sagt Merkel. Der Boiler ist gut eingestellt, wenn das warme Wasser angenehm zum Duschen oder zum Spülen ist. Es habe energetisch keinen Sinn, zuerst sehr heißes Wasser zu erzeugen, um es dann mit kaltem Wasser wieder zu kühlen.

Haushaltsgeräte auf den Prüfstand

Im Keller oder in der Garage steht noch ein Zweitkühlschrank? Es lohnt sich, darüber nachzudenken, ihn abzuschalten. Kühl- und Gefrierschränke gehören in privaten Haushalten zu den größten Energiefressern. Auch sind viele Kühlschränke kälter eingestellt als nötig. Sieben Grad Celsius genügen.

Schon mit kleinen Mitteln lässt sich im Haushalt Strom sparen: Indem man den Geschirrspüler nutzt, statt selbst abzuwaschen – hier auch gerne die Sparprogramme von Wasch- und Spülmaschine verwenden. Wer seine Wäsche aufhängt, statt sie in den Trockner zu stecken, dem bleiben der Verbraucherzentrale zufolge rund 60 Euro mehr im Jahr.

Die Verbraucherschützer raten sogar, Router und Repeater nachts abzustellen. "Viele Router verbrauchen inzwischen mehr als ein sparsamer Kühlschrank." Im 24-Stunden-Betrieb seien das jährlich 30 bis 40 Euro. Und Warmhaltefunktion und Standby-Modus von Kaffeemaschinen verursachten schnell 200 bis 300 Euro Stromkosten pro Jahr. Besser: über Mehrfachsteckdose regeln und nachts ausschalten.

Auch wenn das alles nach Kleinigkeiten klingt: "Jeder Schritt bringt etwas", sagt Merkel. Er empfiehlt außerdem Ökostrom und das ebenfalls klimaverträglichere Ökogas.

Sparsame LED-Lampen verwenden

Beleuchtung macht etwa zwölf Prozent der Stromrechnung von Privathaushalten aus. Wer seine Leuchtmittel durch LED-Lampen ersetzt, kann Energieversorgern zufolge bis zu 80 Prozent Strom einsparen.

"LED-Leuchten brauchen nur einen Bruchteil des Stroms einer Glühlampe, sie erzeugen sehr gutes Licht und sind sehr lange haltbar", bestätigt Energieberater Merkel. Die LEDs sind zwar teurer als andere Leuchtmittel. Aber: Durch ihre lange Lebenszeit und die Energieersparnis rechne sich die Anschaffung innerhalb kürzester Zeit.

Energieberatung im Haus oder der Wohnung

"Eine Energieberatung lohnt in jedem Fall – gerade wenn die Energiekosten erdrückend scheinen", sagt Andreas Löschel, Professor für Ressourcenökonomik. "In manchen Haushalten geht es drunter und drüber, was Geräteausstattung und Verbrauchsverhalten betrifft." Es sei sehr sinnvoll, das Ganze einmal systematisch mit einem Fachmann oder einer Fachfrau durchzugehen.

Bei den Verbraucherzentralen ist ein Basis-Check kostenlos. Ein Gebäude-Check kostet 30 Euro, einkommensschwache Haushalte müssen dafür nichts bezahlen. Es gibt allerdings teils lange Wartezeiten für den Besuch zu Hause.

Energieberater Merkel macht bei seinen Gesprächen die Erfahrung, dass es manchen schwerfällt, auf alte Geräte zu verzichten oder Angewohnheiten zu hinterfragen. "Ärmere Haushalte müssen unterstützt werden. In vielen Fällen bedeutet Energiesparen aber nicht notwendigerweise einen Verzicht", sagt Professor Löschel. Energie zu sparen bedeute, den Geldbeutel zu schonen. Oftmals stelle man sich damit langfristig besser auf – und leiste noch dazu einen Beitrag zum Klimaschutz.

Adblock test (Why?)


Energiepreis: "Viele Router verbrauchen mehr als ein sparsamer Kühlschrank" - ZEIT ONLINE
Read More

No comments:

Post a Comment

Erneut viele Proteste gegen Rechtsextremismus in Niedersachsen - NDR.de

Stand: 01.02.2024 13:31 Uhr Wegen des Treffens von Rechtsextremisten in Potsdam haben in Niedersachsen Hunderttausende gegen Rechtsextremi...