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Friday, April 9, 2021

Impfen: Warum Deutschland weniger schlecht dasteht, als viele glauben - Business Insider Deutschland

In Berlin warten Menschen auf eine Impfung gegen Covid-19.
In Berlin warten Menschen auf eine Impfung gegen Covid-19.
Sean Gallup/Getty Images

Die deutsche Impfpolitik wird für ihre Fehler aktuell scharf kritisiert. Vielen Menschen läuft die Impfkampagne im Vergleich zu Ländern wie Israel, den USA oder Großbritannien zu langsam.

Weltweit liegt Deutschland allerdings bei der Zahl der verimpften Dosen auf Platz sieben, geht aus dem Statistik-Portal „Our World in data“  hervor.

Länder wie Japan oder Südkorea haben sogar nur etwas mehr als eine Million Impfdosen verimpft.

Impf-Debakel, Impf-Chaos, Impf-Katastrophe — seit Monaten wird in den Medien, in Talkshows und in den sozialen Netzwerken die deutsche Impfkampagne kritisiert. Und in der Tat wurden viele Fehler gemacht. Das Hauptproblem: Die Lieferung von Impfstoff läuft schleppend, die EU hat sich beim Einkauf nicht clever angestellt. Immer wieder müssen in Aussicht gestellte Lieferungen verschoben oder abgesagt werden, wie zuletzt bei Moderna. Zudem gibt es Streit um die richtige Impfstrategie und um die Lagerung von Impfstoffen für die zweite Impfung. Bei der Organisation kommt es immer wieder zu Pannen und auch für ihre Kommunikation kann man den Regierungen in Bund und Ländern ein schlechtes Zeugnis ausstellen.

Das Gefühl vieler Menschen ist: Seit dem Start der deutschen Impfkampagne kurz nach Weihnachten geht es nur quälend langsam voran. Für alle, die sehnlich auf eine Impfung warten, zählt jeder Tag. Doch bei all der berechtigten Kritik: Blickt man auf die Impfkampagnen weltweit, steht Deutschland weniger schlecht da, als viele derzeit vermuten.

Deutschland liegt bei den Corona-Impfungen weltweit in den Top Ten

Laut dem Statistik-Portal „Our World in data“ liegt Deutschland bei der Zahl der verimpften Dosen auf Platz sieben weltweit. Russland, das schon vor einem halben Jahr mit dem eigenen Impfstoff Sputnik V begonnen hat, liegt noch dahinter. Deutschland ist zudem in absoluten Zahlen der Spitzenreiter in der EU. In relativen Zahlen, also der Zahl der Impfungen pro 100.000 Einwohner, sieht es allerdings etwas anders aus. Da liegt Deutschland gleichauf mit den meisten anderen Ländern in der EU, aber auch mit hoch entwickelten Nicht-EU-Ländern wie Norwegen, der Schweiz oder Kanada. Spitzenreiter sind hier vor allem kleine Länder mit recht wenig Einwohnern wie Israel, Bahrain oder die Vereinigten Arabischen Emirate.

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Die USA und Großbritannien schneiden beim Impfen deutlich besser ab als Deutschland. Die entschlossenen Impfkampagnen dort sind aber das Resultat einer desaströsen Corona-Politik zu Beginn der Pandemie, die viele Opfer hervorbrachte. Daraus wurde gelernt und die USA, die nach offiziellen Zahlen weltweit die meisten Todesopfer mit dem Coronavirus zu beklagen haben, dürfen sich nun Impf-Weltmeister nennen. Beide Staaten haben zudem starke Pharmakonzerne mit Erfahrung in der massenhaften Impfstoffherstellung in ihrem Land.

Umgekehrt sieht es in vielen Ländern aus, die bisher recht glimpflich durch die Corona-Pandemie gekommen sind. Neuseeland hat nur etwas mehr als 90.000 Impfdosen verimpft, Australien rund 920.000 und Südkorea 1,12 Millionen. Japan, das in diesem Sommer die Olympischen Spiele veranstalten will, fast 130 Millionen Einwohner und die älteste Bevölkerung der Welt aufweist, hat bisher nur 1,39 Millionen Dosen verabreicht.

Länder wie China oder Indien haben zudem den Nachteil sehr großer Bevölkerungen. In absoluten Zahlen liegen sie zwar auf Platz zwei und drei der Impf-Statistik, doch ihre Impfkampagnen dürften noch eine ganze Zeit dauern.

Warum manche Länder weiter vorne liegen als andere hat viele Gründe. Die eigene Not im Land, die Finanzkraft, politische Entscheidungen, die Organisation, das Vertrauen der Bürger in den Impfstoff, aber auch schlicht Möglichkeiten zur Produktion und die Bereitschaft zu teilen (oder auch nicht). Dass Indien beispielsweise vorne mitspielt, dürfte daran liegen, dass das Land zu den größten Herstellern von Impfstoffen gehört.

Wahrscheinlich sind die meisten Deutschen weit früher geimpft als die meisten Japaner, Südkoreaner, Chinesen oder Australier

Deutschland scheint immerhin endlich in den lang versprochenen Impfturbo zu schalten. An diesem Mittwoch wurden bundesweit mehr als 650.000 Menschen geimpft. Dieser Tagesrekord ist fast doppelt so hoch wie der bisherige Bestwert und zeigt, welch große Rolle die Hausärzte für den weiteren Verlauf der Impfkampagne spielen dürften. Derzeit haben damit mehr als 11,5 Millionen Menschen in Deutschland mindestens eine Impfung erhalten. Geht es in diesem Tempo weiter, werden Erstimpfungen priorisiert und die Zusagen der Hersteller und der Politik eingehalten, könnten schon Mitte bis Ende Mai die priorisierten Gruppen zumindest mit der ersten Dosis geimpft sein. Dann dürfte sich jeder impfen lassen, der dies will. Wahrscheinlich sind die meisten Deutschen dann weit früher geimpft als die meisten Japaner, Südkoreaner, Chinesen oder Australier. Allerdings — und das darf man mit Blick auf die Prävention nicht vergessen — wird Deutschland einen weit höheren Preis an Todesopfern in dieser Pandemie gezahlt haben.

Stand jetzt wurden weltweit mehr als 700 Millionen Impfdosen gegen Covid-19 verimpft. Und das knapp 15 Monate, nachdem das neuartige Coronavirus erstmals identifiziert worden ist. Trotz allem: In der Geschichte der Medizin ist das ein einzigartiger Erfolg.

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