Der Coup in Burkina Faso ist nur einer von vielen in Afrika. Oft feiert die Bevölkerung den Umsturz, doch bald erweist sich: Die neuen Machthaber sind genauso korrupt und unfähig wie die alten.
Die neuen, uniformierten Machthaber in Ouagadougou: Harte Knochen
Foto: Anadolu / Getty Images
Jetzt weiterlesen mitSPIEGEL+
Jetzt weiterlesen. Mit dem passenden SPIEGEL-Abo.
Besondere Reportagen, Analysen und Hintergründe zu Themen, die unsere Gesellschaft bewegen – von Reportern aus aller Welt. Jetzt testen.
Sie haben bereits ein Digital-Abonnement? Hier anmelden
Weiterlesen mitSPIEGEL+
Mehr Perspektiven, mehr verstehen.
Freier Zugang zu allen Artikeln, Videos, Audioinhalten und Podcasts
Alle Artikel auf SPIEGEL.de frei zugänglich
DER SPIEGEL als E-Paper und in der App
Bis zum 30.06.2022 inklusive Audio:
DER SPIEGEL zum Anhören
Nur € 19,99 pro Monat, jederzeit kündbar
Sie haben bereits ein Digital-Abonnement?
SPIEGEL+ wird über Ihren iTunes-Account abgewickelt und mit Kaufbestätigung bezahlt. 24 Stunden vor Ablauf verlängert sich das Abo automatisch um einen Monat zum Preis von zurzeit 19,99€. In den Einstellungen Ihres iTunes-Accounts können Sie das Abo jederzeit kündigen. Um SPIEGEL+ außerhalb dieser App zu nutzen, müssen Sie das Abo direkt nach dem Kauf mit einem SPIEGEL-ID-Konto verknüpfen. Mit dem Kauf akzeptieren Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärung.
Das Sturmtief "Nadia" hat in Norddeutschland für Hunderte Polizei- und Feuerwehreinsätze gesorgt. In Niedersachsen hatten die Einsatzkräfte vor allem mit Unfällen und umgestürzten Bäumen zu kämpfen.
Allein im Bereich Oldenburg zählte die Polizei insgesamt 19 Unfälle, drei Menschen wurden leicht verletzt. Insgesamt verzeichneten die Beamten rund 100 Einsätze wegen des Sturms. In Bunnen (Landkreis Cloppenburg) übersah eine 19-Jährige einen umgestürzten Baum. Sie fuhr dagegen und wurde leicht verletzt. In den Landkreisen Hildesheim und Goslar kippten Bäume direkt vor zwei Autos. Ein 64-Jähriger und eine 27-Jährige konnten nicht mehr rechtzeitig bremsen, blieben laut Polizei aber unverletzt. Im Landkreis Rotenburg (Wümme) stürzte ein Baum auf einen Zug - auch hier wurde niemand verletzt. In Hannover kam es zu drei Unfällen wegen umgestürzter Bäume - insgesamt war die Polizei dort rund 50-mal im Einsatz.
Sturmflut spült tonnenweise Sand ins Meer
In Ahlden im Heidekreis wurde der Giebel einer Scheune eingedrückt. In der Folge drohte das gesamte Wohnhaus einzustürzen, so die Polizei. Es sei im Moment unbewohnbar. Menschen wurden nicht verletzt. Auf der ostfriesischen Insel Langeoog wurde der Strand von der Sturmflut beschädigt. Es sei erneut viel Sand weggespült worden, so Bürgermeisterin Heike Horn. Für die Insel bestehe aber keine Gefahr. Erst von zwei Jahren war der Strand dort für mehrere Hunderttausend Euro aufgespült worden. Auch auf Wangerooge wurden große Teile des Strands weggerissen. In Wilhelmshaven haben nach Angaben der Einsatzkräfte Deich und Deichtore gehalten. Lediglich ein Weg vor dem Deich sei komplett überschwemmt, hieß es.
Bahn: Massive Probleme im Regional- und Fernverkehr
Das Sturmfeld selbst zog laut Deutschem Wetterdienst (DWD) ab Sonntagvormittag langsam ab. Seine Unwetterwarnung für Norddeutschland hob der DWD daher am späten Vormittag auf. Am Abend und in der Nacht zu Sonntag hatte "Nadia" dagegen fast überall im Norden für Probleme gesorgt. Unter anderem im Bahnverkehr: Die Deutsche Bahn stellte den Fernverkehr in Norddeutschland am Samstagabend vorübergehend komplett ein. Seit Sonntagmorgen hat sich die Lage laut Bahn nach und nach normalisiert, trotzdem kann es weiter im Regional- und Fernverkehr vereinzelt zu Behinderungen kommen. DieBahn informiert auf ihrer Webseiteüber den aktuellen Stand.
Weitere Informationen
Zwei Mal innerhalb weniger Stunden ist der Fischmarkt überschwemmt worden. Am Sonntagnachmittag wurde die Sturmflutwarnung aufgehoben. mehr
Hamburg: 750 Unwetter-Einsätze und Sturmflut an der Elbe
In Hamburg zählte die Polizei bis zum frühen Sonntagmorgen rund 300 Unwetter-Einsätze, die Feuerwehr sogar 450. Laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) war es in der Nacht im Hamburger Elbgebiet zu einer schweren Sturmflut gekommen. Der Fischmarkt in St. Pauli wurde unter Wasser gesetzt. Zudem verkeilte sich am späten Samstagabend ein Baggerschiff unter den Elbbrücken. Wie die Polizei Hamburg mitteilte, mussten infolge der Havarie mehrere Brücken gesperrt werden - mit den entsprechenden Behinderungen für den Verkehr.
Manövrierunfähiger Frachter vor der ostfriesischen Küste
Eine weitere Havarie ereignete sich in Niedersachsen: Rund 30 Kilometer vor der ostfriesischen Küste trieb ein unbeladener Frachter mehrere Stunden im Meer. Die Maschine der 190 Meter langen "Vienna" sei zu schwach gewesen, bei Sturm und schwerer See zu manövrieren, hieß es vom Havariekommando in Cuxhaven. Daher wurden unter anderem Notschlepper zu dem Havaristen entsandt. Das Sturmtief habe den Einsatz erheblich erschwert: Auch am Sonntagmorgen seien die Wellen fünf bis sechs Meter hoch gewesen. Nach etwa sechs Stunden sei der Frachter gesichert gewesen, so ein Sprecher des Havariekommandos. Inzwischen ist das Schiff seinen Angaben nach wieder voll manövrierfähig und hat seine Fahrt fortgesetzt. Die 24 Crewmitglieder blieben unverletzt. Auch der Frachter wurde nicht beschädigt.
Weitere Informationen
Sturmtief "Nadia" ist in der Nacht über den Nordosten gefegt. Züge und Fähren fielen aus, Tausende Haushalte waren ohne Strom. Für die Ostsee gilt eine Sturmflutwarnung. mehr
2.000 Feuerwehr-Einsätze in Mecklenburg-Vorpommern
Das Sturmtief über der Nordsee bescherte auch Feuerwehr und Polizei in Mecklenburg-Vorpommern viel Arbeit. In Schwerin und Umgebung sei man zu knapp 200 Einsätzen ausgerückt, sagte ein Feuerwehrsprecher. Auch in Stralsund berichtete das Lagezentrum, dass man alle Hände voll zu tun habe. In der Gemeinde Feldberger Seenlandschaft prallte ein 16 Jahre alter Motorradfahrer mit seinem Fahrzeug gegen einen umgestürzten Baum und wurde schwer verletzt.
Videos
1 Min
Viele Bewohner der Insel lassen sich das Naturspektakel nicht entgehen. 1 Min
Schleswig-Holstein: 1.000 Einsätze und 127 km/h Windgeschwindigkeit
Die höchste Windgeschwindigkeit in Schleswig-Holstein maßen die Meteorologen auf Hallig Hooge (Kreis Nordfriesland): Dort habe "Nadia" bis zu 127 Kilometer pro Stunde erreicht, so der DWD. Die Feuerwehren mussten landesweit rund 1.0000-mal ausrücken. Die meisten Einsätze wurden im Süden verzeichnet: Allein die Leitstelle Bad Oldesloe meldete bis zum Sonntagvormittag knapp 400 sturmbedingte Einsätze.
Fährverbindungen fallen aus
Der Sturm wirkte sich auch auf viele Fährverbindungen in Nord- und Ostsee aus. Unter anderem zwischen dem Festland und den Ostfriesischen Inseln fuhren die Fähren zu anderen Zeiten oder fielen aus. Auch die Elbfähre Glückstadt-Wischafen fuhr bis Sonntagnachmittag nicht. Auf den Verbindungen der Wyker Dampfschiffs-Reederei (W.D.R.) kam es ebenfalls zu Änderungen und Ausfällen.
Nationalpark-Verwaltung: Harz nicht betreten
Auf dem Brocken im Harz wurde laut DWD bereits am späten Samstagnachmittag ein Spitzenwert bei der Windgeschwindigkeit erreicht. Mit 130 Stundenkilometern sei "Nadia" über den 1.141 Meter hohen Gipfel hinweggefegt. Die Nationalpark-Verwaltung rät auch über das Wochenende hinaus von Waldbesuchen ab. Es bestehe akute Lebensgefahr, hieß es. Bäume könnten entwurzelt werden und ganze Baumkronen sowie Äste herabstürzen. Man werde sich bemühen, die Schäden in den Harzwäldern zeitnah zu beseitigen, sagte ein Sprecher. Es könne aber sein, dass einzelne Wege vorübergehend nicht begehbar seien.
Weitere Informationen
Von Windstärke 0 bei Windstille bis Windstärke 12 im Orkan reicht die zwei Jahrhunderte alte Skala, die nach ihrem Erfinder Admiral Sir Francis Beaufort benannt ist. mehr
Hier gibt's die aktuellen Warnmeldungen für ganz Deutschland. mehr
Die Aussichten für die kommenden Tage finden Sie hier. mehr
Am Maadesiel in Wilhelmshaven wird bereits zu dem Thema geforscht, nun sollen zwei weitere Standorte hinzukommen. (19.12.2021) mehr
In Hessen liegen immer mehr Patienten mit dem Coronavirus im Krankenhaus. Aber viele von ihnen sind nicht deswegen dort. Damit die Statistik nicht weiter verzerrt wird, reagiert nun die Politik.
Von Tobias Lübben
Seit ein paar Tagen kommen Meldungen, die beunruhigen: Normalstationen füllen sich mit Covid-Patienten. In Hessen lagen zuletzt (Stand 28. Januar) über 900 Patienten mit einer Corona-Infektion in den Kliniken. Das waren fast 200 mehr als eine Woche zuvor. Die Zahl gibt das Sozialministerium, täglich aktualisiert, auf seiner Website an. Was die Zahl allerdings nicht verrät: Sind diese Patienten wirklich wegen Covid-19 im Krankenhaus?
Das Sozialministerium schreibt auf Anfrage, das System erfasse "die Zahl der Patienten, nicht den Hospitalisierungsgrund". Jeder, der positiv auf das Virus getestet wird, geht in die Statistik ein - ob er nun wegen Covid-19 oder einem angeknacksten Knöchel im Krankenhaus liegt. Gerade in der Omikron-Welle mit den hohen Inzidenzen führt das schnell zu Verzerrungen. Die Zahl der im Krankenhaus behandelten Fälle zeigt dann nicht mehr, wie viele schwere Verläufe es gibt.
Eindeutig: Immer öfter Covid als Nebendiagnose
Eine hr-Umfrage unter großen Krankenhäusern liefert ein eindeutiges Bild. "Wir sehen immer mehr Patienten, die nicht wegen Covid kommen, aber bei der Aufnahme positiv getestet werden", sagt Nina McDonagh, Sprecherin der Gesundheit Nordhessen AG, die das Klinikum Kassel und das Krankenhaus Bad Arolsen (Waldeck-Frankenberg) betreibt.
Die Uniklinik Frankfurt hat das für die vergangenen zwei Wochen einmal ausgewertet. Laut Kliniksprecher Christoph Lunkenheimer war nur bei gut der Hälfte der entlassenen Patienten Covid-19 die Hauptdiagnose. In den anderen Fällen habe eine andere Erkrankung im Vordergrund gestanden. Gleichwohl wurden alle Patienten gleichermaßen als Corona-Fälle an das Gesundheitsamt gemeldet. "Dabei wird nicht zwischen Covid-19-Haupt- und Nebendiagnosen unterschieden", sagt Lunkenheimer.
Bei Geimpften ist Covid-19 oft nur Begleiterscheinung
In anderen Kliniken sieht es ähnlich aus. Im Klinikum Fulda ist Corona derzeit in rund 40 Prozent der Fälle nur ein Nebenbefund, genauso wie in den Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken. Das Klinikum Darmstadt gibt an, bei den geimpften Patienten sei in mehr als 50 Prozent der Fälle Corona nur eine Begleiterscheinung. Bei den Ungeimpften sei Covid-19 dagegen meist das Hauptproblem.
Auch in Mittelhessen wandelt sich die Lage: Die Lahn-Dill-Klinken berichten, dort sei Corona bisher noch in den meisten Fällen die Hauptdiagnose. Aber die Uniklinik Gießen-Marburg verzeichnet schon starke Schwankungen: Mal müssten zehn, mal 60 Prozent der Neuaufnahmen als Covid-Fälle gemeldet werden, obwohl sie eigentlich aus ganz anderen Gründen aufgenommen würden - wegen einer Geburt zum Beispiel.
Hospitalisierungsinzidenz ohne Aussagekraft
Das Sozialministerium betont: Ganz gleich, ob Covid-19 die Haupt- oder die Nebendiagnose sei. Jeder positiv Getestete müsse isoliert werden. Das sei in jedem Fall für die Krankenhäuser ein großer Aufwand. Dennoch verliert die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz an Aussagekraft, also die Zahl der Covid-Neuaufnahmen in den Krankenhäusern innerhalb der vergangenen sieben Tage. Denn sie sagt nicht, wie viele der Neuaufnahmen an Covid-19 erkrankt sind und Symptome haben.
Dieses Manko sieht auch das Robert-Koch-Institut und veröffentlicht deshalb neuerdings wöchentlich eine Inzidenz der Neuaufnahmen mit symptomatischen Covid-Verläufen. Diese beruht bisher allerdings nur auf Schätzungen, eine klare Kennzahl ist dem Wochenbericht nicht zu entnehmen.
Und ewig rattert das Fax
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat angekündigt, dieses statistische Loch zu stopfen. Die Kliniken sollen künftig Daten übermitteln, die es erlauben, die Covid-Fälle einzuordnen. So ein Meldesystem, findet Jürgen Graf, der Chef der Frankfurter Uniklinik, hätte die Bundesregierung längst einrichten können - oder einfach aus Hessen übernehmen. Das hessische Melde- und Steuersystem "Ivena", das auch andere Bundesländer nutzen, könne die gewünschten Daten liefern.
Und Graf bemerkt süffisant, es wäre "erfreulich, wenn die technischen Möglichkeiten der Gegenwart in angemessener Weise Berücksichtigung finden würden". Denn nicht nur, dass in den gesetzlich vorgegebenen Meldeformularen nicht zwischen Haupt- und Nebendiagnose unterschieden wird. Viele Kliniken, so etwa Darmstadt, Fulda und Wetzlar, müssen die Meldebögen immer noch per Fax ans jeweilige Gesundheitsamt schicken.
Jeden Tag gibt es neue Rekorde bei den Corona-Infektionszahlen in Hamburg. Am Freitag kletterte die Inzidenz auf 2.173,7. Das macht sich mittlerweile auch bei der Zahl von Corona-Infizierten im UKE bemerkbar.
"Wir haben insgesamt ein hohes Infektionsgeschehen, viele, viele Fälle und ganz viele werden auch die Erfahrung machen, dass es im eigenen Umfeld jetzt auch zu Infektionsfällen kommt", sagt Martin Helfrich, Sprecher der Hamburger Sozialbehörde. "Gleichzeitig wissen wir, die Erkankungsschwere ist deutlich geringer, zusammengenommen bedeutet das schlicht und ergreifend eine etwas andere Phase der Pandemie, in der wir gegenwärtig sind."
Rekordzahl von Corona-Erkrankten im UKE
Wie befürchtet steigen die Zahlen der Corona-Infektionen auch bei Hamburgs Schülerschaft. Laut Schulbehörde haben sie sich innerhalb einer Woche mehr als verdoppelt - auf über 10.000 Infizierte. Vor allem trifft es die Jüngeren. Auch in den Krankenhäusern wird es enger. So viele Corona-Erkrankte wie letzte Woche gab es im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) noch nie seit Pandemie-Beginn. Viele kommen aus anderen Gründen, werden bei Ihrer Aufnahme dann aber positiv getestet. Auf den Normalstationen liegen etwa 90 Prozent mit anderen Beschwerden.
Problem: Rund 250 UKE-Mitarbeiter sind krank
"Auf den Intensivstationen ist es andersrum, da liegen die meisten wirklich wegen der schweren Covid-Infektion", sagt Stefan Kluge, der Leiter der Klinik für Intensivmedizin am UKE. "Das sind jetzt auch neu Omikron-Fälle und die Belastung fürs Krankenhaus ist trotzdem relativ hoch, weil wir ja hygienische Vorgaben haben. Und diese Corona-positiven-Patienten in allen Bereichen des UKE's detektiert bei Aufnahme - das stellt uns vor große organisatorische Probleme, weil wir gleichzeitig auch viele Mitarbeiter haben, die krank zuhause sind", so Kluge. Allein beim UKE befinden sich momentan rund 250 Beschäftigte in Isolation.
Krankheitsschwere wird in den Fokus rücken
Bei der Bewertung der Corona-Lage deutet sich auf Bundesebene nun ein Strategiewechsel an. So soll die reine Inzidenz künftig weniger wichtig werden. Vielmehr sollen Krankheitslast und Krankheitsschwere in den Fokus rücken. "Im weiteren Pandemieverlauf wird es möglicherweise so sein, dass nicht mehr jede einzelne Erkrankung auch wirklich gemeldet wird", sagt Martin Helfrich. "Das heißt die Meldezahlen können möglicherweise gar nicht mehr alle Fälle abbilden, neue Faktoren können deswegen einen wichtigen Beitrag leisten." Im UKE schöpft man aufgrund der aktuell explodierenden Infektionslage Hoffnung: "Die Krankenhaus-Belastung ist da, gerade auf den Normalstationen, aber es ist trotzdem händelbar und ich glaube, dass wir über Lockerungen dann nachdenken können, wenn die Infektionszahlen dann auch wieder fallen und da rechne ich in zwei, drei Wochen damit, spätestens", sagt Kluge.
Weitere Informationen
Nach neuesten Zahlen der Schulbehörde haben sie sich innerhalb einer Woche mehr als verdoppelt - auf mehr als 10.000. (28.01.2022) mehr
Neuinfektions-Inzidenz, Hospitalisierungsrate und Intensivbetten-Auslastung: Diese drei Corona-Kennzahlen sind für Maßnahmen entscheidend. mehr
Neue politische Maßnahmen beruhen auf diesem Wert. Dabei gibt es an dieser Kennzahl für die Beurteilung der Corona-Lage große Kritik. mehr
Wie geht es Hamburg mit der Corona-Pandemie? Hier finden Sie die aktuellen Zahlen, Nachrichten, Videos und Hintergründe. mehr
In Hessen liegen immer mehr Patienten mit dem Coronavirus im Krankenhaus. Aber viele von ihnen sind nicht deswegen dort. Damit die Statistik nicht weiter verzerrt wird, reagiert nun die Politik.
Von Tobias Lübben
Seit ein paar Tagen kommen Meldungen, die beunruhigen: Normalstationen füllen sich mit Covid-Patienten. In Hessen lagen zuletzt (Stand 28. Januar) über 900 Patienten mit einer Corona-Infektion in den Kliniken. Das waren fast 200 mehr als eine Woche zuvor. Die Zahl gibt das Sozialministerium, täglich aktualisiert, auf seiner Website an. Was die Zahl allerdings nicht verrät: Sind diese Patienten wirklich wegen Covid-19 im Krankenhaus?
Das Sozialministerium schreibt auf Anfrage, das System erfasse "die Zahl der Patienten, nicht den Hospitalisierungsgrund". Jeder, der positiv auf das Virus getestet wird, geht in die Statistik ein - ob er nun wegen Covid-19 oder einem angeknacksten Knöchel im Krankenhaus liegt. Gerade in der Omikron-Welle mit den hohen Inzidenzen führt das schnell zu Verzerrungen. Die Zahl der im Krankenhaus behandelten Fälle zeigt dann nicht mehr, wie viele schwere Verläufe es gibt.
Eindeutig: Immer öfter Covid als Nebendiagnose
Eine hr-Umfrage unter großen Krankenhäusern liefert ein eindeutiges Bild. "Wir sehen immer mehr Patienten, die nicht wegen Covid kommen, aber bei der Aufnahme positiv getestet werden", sagt Nina McDonagh, Sprecherin der Gesundheit Nordhessen AG, die das Klinikum Kassel und das Krankenhaus Bad Arolsen (Waldeck-Frankenberg) betreibt.
Die Uniklinik Frankfurt hat das für die vergangenen zwei Wochen einmal ausgewertet. Laut Kliniksprecher Christoph Lunkenheimer war nur bei gut der Hälfte der entlassenen Patienten Covid-19 die Hauptdiagnose. In den anderen Fällen habe eine andere Erkrankung im Vordergrund gestanden. Gleichwohl wurden alle Patienten gleichermaßen als Corona-Fälle an das Gesundheitsamt gemeldet. "Dabei wird nicht zwischen Covid-19-Haupt- und Nebendiagnosen unterschieden", sagt Lunkenheimer.
Bei Geimpften ist Covid-19 oft nur Begleiterscheinung
In anderen Kliniken sieht es ähnlich aus. Im Klinikum Fulda ist Corona derzeit in rund 40 Prozent der Fälle nur ein Nebenbefund, genauso wie in den Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken. Das Klinikum Darmstadt gibt an, bei den geimpften Patienten sei in mehr als 50 Prozent der Fälle Corona nur eine Begleiterscheinung. Bei den Ungeimpften sei Covid-19 dagegen meist das Hauptproblem.
Auch in Mittelhessen wandelt sich die Lage: Die Lahn-Dill-Klinken berichten, dort sei Corona bisher noch in den meisten Fällen die Hauptdiagnose. Aber die Uniklinik Gießen-Marburg verzeichnet schon starke Schwankungen: Mal müssten zehn, mal 60 Prozent der Neuaufnahmen als Covid-Fälle gemeldet werden, obwohl sie eigentlich aus ganz anderen Gründen aufgenommen würden - wegen einer Geburt zum Beispiel.
Hospitalisierungsinzidenz ohne Aussagekraft
Das Sozialministerium betont: Ganz gleich, ob Covid-19 die Haupt- oder die Nebendiagnose sei. Jeder positiv Getestete müsse isoliert werden. Das sei in jedem Fall für die Krankenhäuser ein großer Aufwand. Dennoch verliert die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz an Aussagekraft, also die Zahl der Covid-Neuaufnahmen in den Krankenhäusern innerhalb der vergangenen sieben Tage. Denn sie sagt nicht, wie viele der Neuaufnahmen an Covid-19 erkrankt sind und Symptome haben.
Dieses Manko sieht auch das Robert-Koch-Institut und veröffentlicht deshalb neuerdings wöchentlich eine Inzidenz der Neuaufnahmen mit symptomatischen Covid-Verläufen. Diese beruht bisher allerdings nur auf Schätzungen, eine klare Kennzahl ist dem Wochenbericht nicht zu entnehmen.
Und ewig rattert das Fax
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat angekündigt, dieses statistische Loch zu stopfen. Die Kliniken sollen künftig Daten übermitteln, die es erlauben, die Covid-Fälle einzuordnen. So ein Meldesystem, findet Jürgen Graf, der Chef der Frankfurter Uniklinik, hätte die Bundesregierung längst einrichten können - oder einfach aus Hessen übernehmen. Das hessische Melde- und Steuersystem "Ivena", das auch andere Bundesländer nutzen, könne die gewünschten Daten liefern.
Und Graf bemerkt süffisant, es wäre "erfreulich, wenn die technischen Möglichkeiten der Gegenwart in angemessener Weise Berücksichtigung finden würden". Denn nicht nur, dass in den gesetzlich vorgegebenen Meldeformularen nicht zwischen Haupt- und Nebendiagnose unterschieden wird. Viele Kliniken, so etwa Darmstadt, Fulda und Wetzlar, müssen die Meldebögen immer noch per Fax ans jeweilige Gesundheitsamt schicken.
Ab wann dürfen ungeimpfte Pflegekräfte nicht mehr arbeiten und wer kontrolliert das? Bei der Umsetzung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht sind in Hamburg noch immer viele Fragen offen.
Ab Mitte März müssen Beschäftigte etwa in Kliniken, Pflegeheimen, Arztpraxen oder Rettungsdiensten einen Impfnachweis vorlegen. Ohne ist eine Tätigkeit in den Einrichtungen nicht mehr möglich, heißt es von der Bundesregierung. Das gilt dann beispielsweise auch für Büro- und Reinigungskräfte. Hinter vorgehaltener Hand murrt man in den Hamburger Behörden: Das sei wieder eine Regel, die beschlossen wurde, noch bevor Klarheit über die Umsetzung herrschte.
Sozialbehörde wartet auf Vorgaben vom Bund
Muss den Ungeimpften umgehend gekündigt werden? Soll es Kontrollen geben, und sofern ja, wer soll sie durchführen? Vor allem mit Blick auf Hunderte Pflegedienste in der Stadt ist die Aufgabe nicht unerheblich. Aus der Sozialbehörde heißt es, momentan würde man auf Vorgaben des Bundes warten. Diese würden hoffentlich bald kommen.
AUDIO: Einrichtungsbezogene Impfpflicht: Offene Fragen in Hamburg (1 Min)
Hamburgs große Kliniken sehen jedoch jedenfalls bisher kein Problem. "Wir gehen davon aus, dass bis März alle Beschäftigten geimpft sind", heißt es vom Universitätsklinkum Hamburg-Eppendorf (UKE). Und die Asklepios-Kliniken melden schon jetzt eine Impfquote von 98 Prozent.
Weitere Informationen
Wie geht es Hamburg mit der Corona-Pandemie? Hier finden Sie die aktuellen Zahlen, Nachrichten, Videos und Hintergründe. mehr
Ab wann dürfen ungeimpfte Pflegekräfte nicht mehr arbeiten und wer kontrolliert das? Bei der Umsetzung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht sind in Hamburg noch immer viele Fragen offen.
Ab Mitte März müssen Beschäftigte etwa in Kliniken, Pflegeheimen, Arztpraxen oder Rettungsdiensten einen Impfnachweis vorlegen. Ohne ist eine Tätigkeit in den Einrichtungen nicht mehr möglich, heißt es von der Bundesregierung. Das gilt dann beispielsweise auch für Büro- und Reinigungskräfte. Hinter vorgehaltener Hand murrt man in den Hamburger Behörden: Das sei wieder eine Regel, die beschlossen wurde, noch bevor Klarheit über die Umsetzung herrschte.
Sozialbehörde wartet auf Vorgaben vom Bund
Muss den Ungeimpften umgehend gekündigt werden? Soll es Kontrollen geben, und sofern ja, wer soll sie durchführen? Vor allem mit Blick auf Hunderte Pflegedienste in der Stadt ist die Aufgabe nicht unerheblich. Aus der Sozialbehörde heißt es, momentan würde man auf Vorgaben des Bundes warten. Diese würden hoffentlich bald kommen.
AUDIO: Einrichtungsbezogene Impfpflicht: Offene Fragen in Hamburg (1 Min)
Hamburgs große Kliniken sehen jedoch jedenfalls bisher kein Problem. "Wir gehen davon aus, dass bis März alle Beschäftigten geimpft sind", heißt es vom Universitätsklinkum Hamburg-Eppendorf (UKE). Und die Asklepios-Kliniken melden schon jetzt eine Impfquote von 98 Prozent.
Weitere Informationen
Wie geht es Hamburg mit der Corona-Pandemie? Hier finden Sie die aktuellen Zahlen, Nachrichten, Videos und Hintergründe. mehr