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Monday, November 29, 2021

Nordrhein-Westfalen: Freiwillig Kontakte reduzieren - viele tun das bereits | tagesschau.de - tagesschau.de

Stand: 29.11.2021 17:16 Uhr

Bundespräsident Steinmeier ruft zu freiwilligen Kontaktbeschränkungen auf. Viele tun das bereits - und vieles mehr. Bei Twitter trendet dazu nun der Hashtag #DasHabeIchGetan.

Von Jörn Seidel und Oliver Scheel

Die Politik diskutiert über schärfere Corona-Regeln, und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ruft zu freiwilligen Kontaktbeschränkungen auf. Dabei haben viele Menschen ihre Kontakte längst reduziert, halten Abstand, lassen sich boostern und tragen häufiger als verordnet eine Maske. Unter dem Hashtag #DasHabeIchGetan kommt nun vieles von dem bei Twitter zur Sprache - aber auch Gegenteiliges.

WDR

#DasHabeIchGetan: "Hab Kontakte möglichst runtergefahren"

So schreibt zum Beispiel Twitter-Userin Halbblutlehrerin: "Ich hab private Kontakte möglichst runtergefahren, rede auf Schüler:innen ein, um sie zu schützen und bleib mitm Popo möglichst daheim in der Freizeit." Userin Pia Lamberty schreibt: "Bin seit Ewigkeiten im Home Office. Ich habe wichtige Ereignisse verpasst von Menschen, die mir sehr am Herzen liegen."

"Kontaktbeschränkungen sind mir egal"

Andere entgegnen, dass sie davon nichts halten. "Wir haben uns während der Ausgangssperre reichlich getroffen und besoffen", schreibt etwa Twitter-User Luca. Und User Maleo twittert: "Ich trage die Gesichtsmaske nur solange es unbedingt sein muss und Kontaktbeschränkungen sind mir egal."

Die Idee zu dem Hashtag #DasHabeIchGetan kommt von Natalie Grams-Nobmann, Ärztin und Sachbuch-Autorin aus Heidelberg. Den Appell des Bundespräsidenten, freiwillig Kontakte zu reduzieren, hält sie zwar für "richtig", aber auch für "vergebliche Liebesmüh", sagt sie dem WDR. "Denn die, die dem Folge leisten würden, sind doch ohnehin schon vernünftig, schränken sich ein, lassen sich impfen, lassen sich boostern", so Grams-Nobmann. "Und viele sind schon an ihrer Grenze."

Natalie Grams-Nobmann Bild: WDR/Natalie Grams-Nobmann

Wenn man sehe, dass sich einerseits ein großer Teil der Bevölkerung schon seit Monaten einschränkt, andererseits anderen alles egal ist und die Corona-Lage sich zuspitzt, "dann muss man sagen: Die Politik muss handeln, nicht nur appellieren".

Freiwilligkeit genüge nicht mehr, sagt Grams-Nobmann. "Jetzt muss die Politik Verantwortung für alle, auch die Verweigernden, übernehmen." Ihrer Ansicht nach braucht es nicht nun schärfere Corona-Regeln - auch eine Impfpflicht kann sie sich mittlerweile vorstellen.

Beim Spiel des 1. FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach waren 50.000 Zuschauer im Stadion. Bild: Marius Becker/dpa

In der "Bild am Sonntag" appellierte Bundespräsident Steinmeier: "Reduzieren wir noch einmal unsere Kontakte. Tun wir es, damit Schulen und Kitas nicht wieder schließen, damit wir das öffentliche Leben nicht wieder vollständig herunterfahren müssen." Am Tag zuvor hatten sich noch 50.000 Fußballfans im vollbesetzten Stadion zum Spiel des 1. FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach versammelt.

Am frühen Montagnachmittag verständigten sich Bund und Länder nun darauf, in einer Gesprächsrunde am Dienstag weitere Maßnahmen zu diskutieren.

Der Druck auf die Politik wächst.

Aber auch die Kritik reißt nicht ab. AfD-Fraktionschef Tino Chrupalla teilte am Montag mit: "Die konzeptlose und widersprüchliche Corona-Politik zermürbt die Bürger zunehmend und zerstört das Vertrauen in die Politik." Die Diskussionen über einen neuen Lockdown und eine Impfpflicht "müssen umgehend beendet werden".

Quelle: wdr.de

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Nordrhein-Westfalen

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Viele Unfälle in NRW nach Schneefall: Mehrere Verletzte - Süddeutsche Zeitung

Dortmund/Iserlohn (dpa/lnw) - Mit einsetzendem Schneefall ist es am Montag im Sauerland und Teilen des Siegerlands zu mehreren Unfällen gekommen - teilweise mit Verletzten. Nahe Siegen rutschte ein Auto von schneeglatter Fahrbahn in eine Böschung hinab und prallte gegen einen Baum. Der 28-jährige Fahrer, seine Frau (27) und ihr zweijähriges Kind kamen schwer verletzt in eine Klinik, wie die Polizei in Siegen mitteilte. Bei weiteren witterungsbedingten Unfällen sei es bei Sachschäden geblieben. Über den schweren Unfall hatte zunächst die "Siegener Zeitung" berichtet.

"Es kracht am laufenden Band", meldete die Polizei des Märkischen Kreises aus dem Sauerland via Twitter. Nach einer vorläufigen Bilanz kam es zu 44 wetterbedingten Verkehrsunfällen - darunter Kollisionen oder auch Autos, die im Straßengraben landeten. Es habe bei drei Unfällen insgesamt fünf Leichtverletzte gegeben, berichtete die Polizei. Gegen 09.00 Uhr habe es angefangen zu schneien und seitdem ununterbrochen "gerappelt", sagte ein Sprecher. Die Kollegen seien pausenlos im Einsatz. Vor allem in den höheren Lagen bleibe der Schnee liegen. Eine wichtige Landstraße, die Lüdenscheid und Werdohl verbinde, sei zwei Stunden blockiert gewesen. Dort habe sich ein Wagen überschlagen. Wenig später seien zwei Busse ineinander gerutscht.

Laut Deutschem Wetterdienst waren am Montag kalte Luftmassen polaren Ursprungs aktiv, das werde auch in den nächsten Tagen so bleiben. Vor allem im Bergischen Land und im Sauerland seien bis zu drei Zentimeter Neuschnee möglich. Auch in der Eifel sei mit einzelnen Schnee- oder Schneeregenschauern zu rechnen.

Aus anderen Teilen des Landes hieß es, die Lage sei ruhig. Die Polizei im Oberbergischen Kreis verzeichnete lediglich einen Glatteis-Unfall - in Bergneustadt, ohne Verletzte. Für den Rheinisch-Bergischen Kreis sagte ein Polizeisprecher, es gebe keine besonderen Vorkommnisse und "nur ein bisschen Schneeregen". Aus Daun in der Eifel wurden zwei kleinere Unfälle gemeldet. In Dortmund waren einige Straßen von Schneematsch bedeckt. "Wir haben keine Auffälligkeiten, die Straßen sind frei", sagte ein Polizeisprecher.

In der Nacht zum Dienstag kann es dem DWD zufolge besonders im Bergland glatt werden - nach erneuten Niederschlägen und Schnee in höheren Lagen. Ab 600 Meter Höhenlage seien am Dienstag auch bis zu zehn Zentimeter Neuschnee in wenigen Stunden möglich. Doch auch in den höheren Lagen werde der Schnee schnell abtauen, sagte ein Meteorologe - bei Temperaturen zwischen vier und neun Grad. Der Wetterdienst warnte vor stürmischen Böen am Dienstag und Mittwoch.

Der Herbst war in NRW - wie insgesamt in Deutschland - nach einer DWD-Bilanz etwas zu warm, zu trocken und mit mehr Sonnenschein. Die Durchschnittstemperatur fiel mit 10,5 Grad um ein Grad höher aus als der Mittelwert der internationalen Referenzperiode 1961-1990. Die Niederschlagssumme lag mit nur knapp 135 Litern pro Quadratmetern deutlich unter dem vieljährigen Vergleichswert von 208 Litern. Die Sonnenscheindauer war mit fast 330 Stunden erheblich länger als im Mittel der Vergleichsperiode mit 294 Stunden.

Laut Ruhrverband war es auch im Ruhreinzugsgebiet 2021 wieder zu trocken: Das 13. Mal in Folge habe es weniger geregnet als im langjährigen Mittel, berichtete der Verband zum "Abflussjahr", das in der Wasserwirtschaft immer zum 31. Oktober endet. Trotz der Flutkatastrophe vom Juli habe sich "die längste Abfolge zu trockener Abflussjahre seit Aufzeichnungsbeginn ungebrochen fortgesetzt".

© dpa-infocom, dpa:211129-99-182275/4

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Deutsche AIDS-Gesellschaft: Zu viele späte HIV-Diagnosen - Presseportal.de

Deutsche AIDS-Gesellschaft e.V. (DAIG)

Hamburg (ots)

Die Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG e.V.) weist anlässlich des Welt-AIDS-Tages darauf hin, dass in Deutschland zu viele HIV-Infektionen erst spät diagnostiziert werden. Obwohl die Zahl der HIV-Neuinfektionen über die letzten Jahre erfreulicherweise rückläufig ist, bleibt der Anteil der Menschen, die beim ersten positiven HIV-Test bereits einen fortgeschrittenen Immundefekt aufweisen, unverändert hoch. Laut Robert-Koch-Institut lag er im Jahr 2020 bei 35% der insgesamt 2000 HIV-Erstdiagnosen. In 18% der Fälle wurde die HIV-Diagnose sogar erst im Stadium AIDS gestellt.

Die HIV-Infektion ist heute eine gut behandelbare chronische Erkrankung, mit der Menschen ein normales Leben führen können. Eine HIV-Diagnose sollte zeitnah zur Infektion erfolgen. Das ermöglicht einen frühen Therapiebeginn, der symptomatische Verläufe und die Weiterverbreitung der HIV-Infektion verhindern kann. Späte Diagnosen hingegen sind der wesentliche Grund für die HIV-bedingte Morbidität und Mortalität, die wir heute noch sehen.

Zur Vermeidung später HIV-Diagnosen unterstützt die DAIG Präventionsstrategien und engagiert sich insbesondere in der Fortbildung von Ärzt*innen. Dabei geht es um Testangebote im klinischen Alltag, das Erkennen von Indikatorerkrankungen einer HIV-Infektion, aber auch um das Gespräch über Infektionsrisiken. In der ärztlichen Praxis wird nur selten über Sex und sexuelle Gesundheit gesprochen. Dies verhindert Präventionsangebote.

In der gegenwärtigen COVID-Pandemie besteht zusätzlich die Gefahr, dass HIV-Testangebote nicht wahrgenommen werden und damit das Risiko unerkannter bzw. später Diagnosen steigt. Die DAIG fordert deshalb, auch in der aktuellen Situation HIV-Präventionsangebote in vollem Umfang aufrecht zu erhalten.

Dazu der Vorsitzende der Deutschen AIDS-Gesellschaft PD Dr. Stefan Esser: "Wir müssen alles dafür tun, die Zahl später HIV-Diagnosen zu verringern. So ließen sich viele AIDS-Fälle und Neuinfektionen vermeiden. HIV-Therapien sind hoch effektiv, aber wir können sie natürlich nur dann einsetzen, wenn wir die Diagnose kennen."

Mehr zur Arbeit der DAIG unter www.daignet.de

Pressekontakt:

Dr. Annette Haberl | DAIG Referentin für Öffentlichkeitsarbeit | annette.haberl@hivcenter.de | 0177 6843032

Original-Content von: Deutsche AIDS-Gesellschaft e.V. (DAIG), übermittelt durch news aktuell

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"Sie hat viele Menschen berührt": Tina Turner ist bald Ehrendoktorin - n-tv.de - n-tv NACHRICHTEN

Tina Turner hat viel erreicht und sich ihren Erfolg hart erkämpft: Sie gehört zu den bekanntesten Sängerinnen der Welt, verkaufte Millionen Tonträger, bekam zwölf Grammys, wurde zwei Mal in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Nun kommt ein weiterer Titel hinzu - in ihrer Wahlheimat Schweiz.

Besondere Auszeichnung für Tina Turner: Die 82-jährige Musik-Legende bekommt von der Universität Bern am 4. Dezember den Ehrendoktortitel verliehen. Für ihr "einzigartiges musikalisch-künstlerisches Lebenswerk" wird die Sängerin ausgezeichnet, heißt es in einer Mitteilung der Philosophisch-historischen Fakultät.

Turner habe sich als "Frau in einem zuvor männlich dominierten Bereich erfolgreich durchgesetzt" und "mit ihrer Authentizität und künstlerischen Ausstrahlung viele Menschen berührt". Zudem habe sie mit ihrer Kunst beispielhaft einen Weg "aus mehrfach diskriminierten Verhältnissen gezeigt". Turner sei ein "Rollenmodell über Generationen" hinweg, begründet die Fakultät ihre Entscheidung. Zur Feier wird Turner allerdings nicht persönlich vor Ort sein, heißt es vonseiten der Universität.

Die ursprünglich aus Tennessee stammende Sängerin lebt bereits seit über 20 Jahre in der Schweiz. 2013 wurde sie sogar offiziell Schweizerin und legte ihre US-Staatsbürgerschaft ab. Seit einigen Jahren ist der deutsche Erwin Bach der Mann an ihrer Seite. Den heute 65-Jährigen heiratete Turner 2013.

Mehr als 180 Millionen Tonträger verkauft

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Tina Turner gehört zu den erfolgreichsten Sängerinnen der Welt. Sie brachte in ihrer rund 60 Jahre andauernden Karriere bislang zwölf Studioalben auf den Markt. Insgesamt verkaufte sie mehr als 180 Millionen Tonträger, erhielt zwölf Grammys und wurde zwei Mal in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Zu ihren größten Hits zählen Hymnen wie "What's Love Got to Do with it", "Simply the Best", "We Don't Need Another Hero" oder "Private Dancer".

Erst vor Kurzem hat die Soul- und Rock-Legende sämtliche Rechte an ihrem musikalischen Werk an die Bertelsmann Music Group (BMG) verkauft. Das gab das Unternehmen auf seiner Homepage bekannt. Man sei stolz darauf, den musikalischen Schatz "einer der größten und beliebtesten Künstlerinnen in der Geschichte der populären Musik" pflegen und weiterentwickeln zu können, heißt es dort.

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Sunday, November 28, 2021

Wie kann Deutschland so viele Menschen auf einmal impfen? - FAZ - Frankfurter Allgemeine Zeitung

Alle, die in Deutschland impfen, stehen vor der schwersten Zeit, seit es Corona gibt. In den kommenden Wochen und Monaten sollen sie nicht nur alle Erwachsenen impfen, die sich endlich zu einer Erstimpfung entschlossen haben. Sie sollen auch allen anderen eine Boosterimpfung geben. Und, um den Andrang noch zu steigern, sollen sie von der Weihnachtszeit an auch noch die ganzen Kinder impfen, die älter als fünf Jahre sind. Für die Zeit kurz vor Weihnachten wird nämlich eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission für die Kindervariante des Impfstoffs erwartet.

Justus Bender

Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Im Frühling gab es wenig Impfstoff, die Priorisierungsgruppen kamen nacheinander dran, die Menschen warteten artig viele Wochen, bis sie dran waren. Jetzt kommen alle auf einmal. Stephanie Goldhammer ist ärztliche Leiterin der Firma EcoCare, die neun Impfzentren betreibt. Sie sagt: „Es ist wirklich ein Sturm.“ Iris Minde, die im Fachausschuss des Städtetages und in ihrer Leipziger Klinik Sankt Georg ein Impfzentrum betreibt, sagt es so: „Der Ansturm ist enorm, und man wird förmlich überrannt.“ Das Wegschicken der Leute sei „sehr unangenehm, und oftmals entstehen auch Diskussionen“. Das Klinikum musste den Wachschutz einsetzen.

Lange Schlangen vor den Impfzentren

Vor den Impfzentren bilden sich lange Schlangen. Die einen wollen schnell einen Booster, die anderen sind das erste Mal da und wollen Fragen stellen. „Eine zwanzigminütige Beratung ist schwer mit dem Ziel zu vereinbaren, an einem Tag möglichst viele Menschen zu impfen“, sagt Goldhammer. Auch die Atmosphäre ist für viele ungewohnt. Der Hausarzt plaudert gerne mal, im Impfzentrum ist das anders. Da sagt ein Bürger vielleicht, dass er Gerinnungshemmer einnimmt und ob das ein Problem sei. Und weil die Impfärzte den ganzen Tag nichts anderes machen, kennen sie den Gerinnungshemmer ganz genau und auch die Antwort: Nein, kein Problem. Danach gibt es nicht mehr viel zu sagen, es muss ja weitergehen, aber den Leuten macht das manchmal Angst. Sie fühlen sich nicht ernst genommen, wenn das Gespräch kurz ist.

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Bei den Hausärzten wird die Zeit zum Plaudern auch immer knapper, die Arbeitszeiten von Anke Richter-Scheer lassen das erahnen. Sie steht morgens um sieben Uhr in ihrer Hausarztpraxis in Bad Oeynhausen mit allen ihren Mitarbeitern, und sie geht um 20 Uhr nach Hause. Dazwischen impft sie 240 Leute. Und immer kommen neue Patienten, die eine Spritze wollen, das sei „so nicht zu schaffen“. Neben ihrer Praxisarbeit ist Richter-Scheer auch Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe, und sie impft in mobilen Teams des Landkreises mit. Sie kennt also das ganze Impfsystem und weiß, dass die Hausärzte noch viele andere Dinge tun. Es gibt viele Erkältungskranke, es wird auch gegen Grippe geimpft, die Wartezimmer sind voll. „Wir sind müde.“

Schuld an der Misere sei die Politik, sagt sie. Im Dezember ballt sich vieles, was auch früher hätte passieren können. Ein Beispiel sind die Sommerferien. „In den Ferien haben die Impfzentren leer gestanden, die Schüler wurden nicht geimpft, weil Politik und Ständige Impfkommission sich nicht auf eine Empfehlung einigen konnten.“ Unter den ungeimpften Jugendlichen sind die Inzidenzen momentan sehr hoch. Vieles davon hätte verhindert werden können.

Ein mobiles Impfzentrum in Lüneburg auf dem Marienplatz am 20. November

Ein mobiles Impfzentrum in Lüneburg auf dem Marienplatz am 20. November : Bild: dpa

Es gab mal Hunderte Impfzentren in Deutschland, es gab Impfstraßen in Messehallen, wo Tausende pro Tag durchströmten, aber die meisten von ihnen wurden vor wenigen Monaten zugemacht. Man könne so ein Impfzentrum nicht einfach über Nacht wieder aufbauen, sagt der Gesundheitsdezernent der StädteRegion Aachen, Michael Ziemons. Bei ihm war das Impfzentrum in der Eissporthalle. Da fahren jetzt Leute mit Schlittschuhen herum. Er könnte die Halle mieten, aber dann muss er das Eis abtauen, den Boden trocknen, die ganzen Aufbauten machen. Drei Wochen würde das dauern, hat Ziemons ausgerechnet, das ist zu langsam. „Ich kann den Bürgern nicht sagen: Komm in drei Wochen wieder, wenn du bis dahin infiziert bist, tut es mir leid.“

Nun sagen nicht wenige, es sei ein Fehler gewesen, die Impfzentren zu schließen. Die Sache ist aber nicht so einfach. Im Sommer standen die Impfzen­tren leer, die Miete, die Gehälter, alles wurde bezahlt. Und die Verbandsvertreter der Ärzteschaft liefen herum und sagten in jedes Mikrofon, die Hausärzte würden das schaffen, allen voran der Vorsitzende der Kassenärztliche Bundesvereinigung, Andreas Gassen. Für die Kommunen war das eine schwierige Lage. Ziemons sagt, es sei „absehbar gewesen, dass die Schließung der Impfzentren keine gute Idee ist“, allein schon wegen der Überlastung der Hausärzte durch Atemwegserkrankungen im Winter und wegen der Kinderimpfungen, die anstanden

Größte Kostentreiber waren die Ärzte selbst

Ziemons war immer ein bisschen gereizt, wenn er Ärztevertreter rechnen hörte, die Impfungen in den Zentren seien so teuer und die in den Arztpraxen so günstig. Das stimmte zwar, wenn die Auslastung in den Zentren schlecht war, deren größter Kostentreiber waren aber die Ärzte selbst, die in Aachen 150 Euro pro Stunde bekommen, ärztliche Leiter sogar 200 Euro. Die Honorare wurden von den Kassenärztlichen Vereinigungen verhandelt und waren so lukrativ, dass sie dort auch intern vergeben wurden. Ziemons richtete ein eigenes E-Mail-Postfach ein nur für Beschwerden von Ärzten, die keine Anstellung fanden, weil sie nicht über den Verband kamen.

Die Impfzentren waren also teuer und leer. „Da kann ich verstehen, dass Politik nicht mehr anders entscheiden kann, wenn die Ärzte beteuern, dass sie in einem normalen Herbst 20 Millionen Menschen gegen die Grippe impfen.“ Geht es nach Ziemons, haben die Ärzte eine Mitschuld an der Misere. Erst tönen sie, sie könnten alles ohne Impfzentren schaffen, und sind dann doch überfordert.

Das sehen Ärzte etwas anders. Für Richter-Scheer sind sie sogar ganz und gar unschuldig an der Lage. Schuld seien die ständig wechselnden Vorgaben von Bund und Ländern. Die Hausärzte leisteten hervorragende Arbeit, es gebe „signifikant tolle Zahlen“ an Impfungen in den Praxen. Aber wie die Bundesregierung in den vergangenen Wochen geredet habe, fühlte es sich für Ärzte an, als würden ihnen täglich neue Probleme bereitet. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn von der CDU sagte, die Boosterimpfung sei für alle, die Ständige Impfkommission sagte, sie sei nur für jene, deren Zweitimpfung sechs Monate her sei, also gab es Verwirrung und enttäuschte Patienten.

Manche Hausärzte schickten sie weg, andere impften jeden, der kam. Dann sagte Spahn, er liefere künftig weniger BioNTech-Impfstoff an die Hausärzte, damit die Vorräte an Moderna-Impfstoff aufgebraucht würden. Das klang für einige so, als würde ein Restaurantkoch sagen, er serviere erst mal die Kartoffeln vom Vorjahr, die noch im Keller liegen, bevor die Gäste die guten, frischen bekommen. Wieder gab es Proteste, verständnislose Patienten in der Praxis. „Wir müssen das Impfen höherfahren, aber das liegt nicht daran, dass die Hausärzte zu wenig impfen. Es ist mal wieder höhere Gewalt“, sagt Richter-Scheer.

Manchmal erwarten die Bürger zu viel, zu schnell. Sie hören etwas in einer Talkshow und denken, eine Stunde später sei das örtliche Impfzentrum schon auf alle Eventualitäten eingerichtet. Dabei hören die Kommunen manchmal selbst nur ungläubig, wie die neueste Losung aus Berlin lautet. Ziemons hat das erlebt, die „Vollkatastrophe“, wie er sagt. Als die Ständige Impfkommission empfahl, nach einer Erstimpfung mit AstraZeneca die Zweitimpfung mit einem anderen Impfstoff zu machen, erfuhr Ziemons das aus den Medien.

Sie drangen in die Impfkabinen ein

Eine Stunde später gab es schon Krawall in der Eissporthalle. Die Leute forderten wütend, nicht mehr mit AstraZeneca geimpft zu werden. Sie durchbrachen die Absperrungen, forderten, die Kühlschränke aufzumachen, wo der Impfstoff gelagert wurde. Sie drangen in die Impfkabinen ein und schimpften. Die Polizei kam. Seitdem hat Ziemons das Gefühl, die Großkopferten in Berlin wüssten gar nicht, was sie vor Ort anrichten können mit einem falschen Wort.

Neulich hat Spahn einen Brief an alle Kommunen geschrieben und sich entschuldigt. Nicht für die Sache mit AstraZeneca damals in Aachen, sondern dafür, dass er den BioNTech-Nachschub verringert hatte, damit die Moderna-Vorräte aufgebraucht werden. Spahn schrieb ausdrücklich, er wolle sich „entschuldigen“, die Kommunen seien in „nachvollziehbarer Weise verärgert“. „Die persönlichen Nachrichten, die mich erreichen, zeigen mir, wie groß der Frust und der Unmut ist“, heißt es in dem Schreiben vom Montag, das der F.A.S. vorliegt.

Ein Drive-In-Impfzentrum in der Lanxess-Arena in Köln, in der Tür stehen der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst und die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker

Ein Drive-In-Impfzentrum in der Lanxess-Arena in Köln, in der Tür stehen der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst und die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker : Bild: dpa

Er schrieb, das Aufbrauchen der Moderna-Reserven sei nicht das einzige Argument gewesen. Das viel gewichtigere: Die Bundesregierung hat nur noch zwei bis drei Millionen BioNTech-Dosen pro Woche. „Die Nachfrage“ sei „in den letzten zwei Wochen so stark gestiegen, dass sich unser zentrales BioNTech-Lager schneller leert als erwartet“, schrieb Spahn. Die Bürger haben keinen Nachteil. Eine Boosterimpfung mit Moderna hilft BioNTech-Geimpften sogar mehr, der Effekt ist größer.

Aber eine Bundesregierung, die im Winter 2021 immer noch Nachschubprobleme bei Impfstoffen hat, macht die Kommunen und Ärzte nicht zufrieden. „Es ist maximal ungeschickt, den Leuten zu sagen, sie sollen sich boostern lassen, ohne vorher die Strukturen zu schaffen und zu klären, ob man den Impfstoff hat“, sagt Ziemons. Und die Vorsitzende der Kassenärztliche Vereinigung Thüringen, Annette Rommel, sagt sogar: „Wenn ich so einen Schwachsinn mache, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn die Leute sagen: Ich nehme keine Resterampe.“

In Thüringen gibt es keinen Streit, wer besser impft, die Hausärzte oder die Impfzentren, weil dort die Kassenärztliche Vereinigung für beides zuständig ist, für die Arztpraxen und die Impfzentren. „Wir haben nicht diese komische Konkurrenzsituation“, sagt Rommel. Einmalig sei das in Deutschland. Wegen ihrer Doppelrolle hat Rommel die Dinge schon oft anders beurteilt. Zum Beispiel als der Vorsitzende des Bundesverbandes, Gassen, tönte, die Hausärzte würden das alles schaffen. „Da haben wir immer gesagt: Seid vorsichtig. Das ist nicht wie eine Grippeschutzimpfung.“ Bei der Grippe fragt ein Patient nicht 25-mal nach, ob der Impfstoff ihn unfruchtbar macht. Rommel hat selbst eine Praxis und erlebt, was das Impfen bei Corona bedeutet. Sie stellt eine Mitarbeiterin ab, die den ganzen Tag nichts anderes macht, als Impftermine für Corona zu verwalten.

Der Leiter des Impfzentrums Treuen/Eich, Andy Feig, bei seiner Abschiedsrede am 30. September vor der Schließung des Impfzentrums.

Der Leiter des Impfzentrums Treuen/Eich, Andy Feig, bei seiner Abschiedsrede am 30. September vor der Schließung des Impfzentrums. : Bild: .

Es gibt aber auch Leute, die sagen, das Impfen sollte nicht nur von Ärzten übernommen werden, zum Beispiel der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler. Der schimpfte diese Woche, die Ärzteverbände verhinderten eine schnelle Impfkampagne, weil sie nicht wollten, dass Tierärzte und Apotheker mitimpfen. Wieler, selbst Veterinärmediziner, fand es empörend, dass „bestimmte Interessengruppen das Eigeninteresse offenbar über das Gemeinwohl stellen“.

Rommel beantwortet das mit einem Vergleich. Sie besitzt Pferde. Und sie ist Humanärztin. Niemals käme sie auf die Idee, ihre Pferde zu behandeln, sie hätte das Gefühl, nicht zu wissen, wie das geht. Also ruft sie den Tierarzt. „Ich habe nichts gegen Tierärzte, aber Tierärzte sind Tierärzte.“

Kann ein Apotheker wissen, wann eine Impfung einfach ist?

Die Ärztin Goldhammer traut den Apothekern zu, jemanden zu impfen, bei dem die Impfung keine Probleme macht, aber sie traut Apothekern nicht zu, zu beurteilen, bei wem das so ist. „Dafür brauchen Sie jemanden mit einer Approbation.“

Wenn Iris Minde vom Leipziger Klinikum sich in der Adventszeit etwas wünschen dürfte, dann sind das nicht Tierärzte oder Apotheker, sondern ehrenamtliche Helfer. In einer Klinik gibt es genug zu tun, es sitzt niemand herum und wartet darauf, nebenbei ein Impfzentrum zu betreiben. Sie hätte gerne etwas Hilfe für das Impfzentrum in ihrer Klinik, damit der übrige Betrieb nicht darunter leidet. „Wir brauchen Ärzte, medizinisches Assistenzpersonal, Leute, die Sachen protokollieren, Einlassdienste, Wachdienste, Reinigungskräfte. Es ist nichts ausgeschlossen“, sagt Minde.

Der Gesundheitsminister von Rheinland-Pfalz, Clemens Hoch von der SPD, hat einen Vorschlag, wie die Schuldfrage zwischen Ärztevertretern und Politikern entschieden werden kann: Alle sind ein bisschen schuld. „Wir haben die Wucht der vierten Welle geringer und die Immunisierung durch die Impfung länger eingeschätzt“, sagt er. Manches, was schieflief, sei aber „verschüttete Milch“, also nicht mehr rückgängig zu machen. Für die Zukunft aber ist er „sehr zuversichtlich, dass das klappt, trotz aller Aufregung“.

In Rheinland-Pfalz haben neun Impfzen­tren schon wieder den Betrieb aufgenommen. Die Impfkampagne läuft an, auch ein Terminportal für die Kinderimpfungen ist in Arbeit. „Wir können das organisieren“, sagt Hoch, „wir kriegen das miteinander hin.“ Es ist ein Versprechen, das Hoch in jedem Fall halten kann: Alle werden geimpft. Die Frage ist nur, wie schnell.

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"Viele Mutationen" sind Indiz: Omikron könnte in HIV-Patienten entstanden sein - n-tv NACHRICHTEN

Gerade die extrem hohe Anzahl an Mutationen macht die Omikron-Variante so besorgniserregend. Dieses Detail könnte jedoch auch Aufschluss darüber geben, wie die neue Variante entstanden ist. Denn in Menschen mit geschwächtem Immunsystem könne das Virus besonders stark mutieren, sagen Experten.

Die überraschend viele Mutationen tragende Corona-Variante Omikron könnte Experten zufolge in einem Patienten mit HIV oder einer anderen Form der Immunschwäche entstanden sein. Das sei denkbar und wahrscheinlich, ähnliche Befunde seien in anderen Fällen bereits publiziert worden, sagte Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI).

In Menschen mit geschwächtem Immunsystem könne sich das Virus über viele Wochen vermehren, so Watzl. "Dabei können immer wieder vereinzelt Mutationen auftreten, die dem Virus eventuell keinen Vorteil bringen, die sich aber aufgrund der fehlenden Kontrolle durch das Immunsystem dennoch weiter vermehren können." Damit könnten zusätzliche Mutationen entstehen, die dann in der Kombination eventuell einen Vorteil brächten.

"Die vielen Mutationen sprechen für Entstehung in HIV-Patienten", hatte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schon am Freitag getwittert. Omikron besitzt im Vergleich zum ursprünglichen Sars-CoV-2 aus Wuhan eine ungewöhnlich hohe Zahl von etwa 30 Aminosäureänderungen allein im Spike-Protein.

"Erst die Weitergabe ist wirklich gefährlich"

Darunter sind Mutationen, von denen bekannt ist, dass sie mit einer stärkeren Übertragbarkeit und Immunescape in Verbindung stehen. Hinzu kommen viele Mutationen, deren Bedeutung noch unklar ist.

"Auch wenn wir den Effekt einzelner Mutationen aus den anderen Varianten kennen beziehungsweise abschätzen können, ist aktuell unklar, welchen Effekt diese Kombination an Mutationen haben wird", erklärte Watzl. Viele HIV-Patienten würden in Afrika nicht ausreichend therapiert, weshalb ihr Immunsystem deutlich geschwächt sei, so Watzl.

Zur Vermeidung der Ausbreitung so umfangreich veränderter Varianten wie Omikron wäre es demnach wichtig, infizierte immungeschwächte Menschen zu identifizieren und sie zu isolieren, bis sie nicht mehr infektiös sind. "Denn selbst wenn das Virus in einer solchen Person stark mutiert, erst die Weitergabe des mutierten Virus ist wirklich gefährlich."

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Inflation: So viele Firmen wie nie wollen die Preise erhöhen - STERN.de

Erneut viele Proteste gegen Rechtsextremismus in Niedersachsen - NDR.de

Stand: 01.02.2024 13:31 Uhr Wegen des Treffens von Rechtsextremisten in Potsdam haben in Niedersachsen Hunderttausende gegen Rechtsextremi...