Es ist eine Abstimmung mit den Füßen: Russische Militärgerichte verzeichnen inzwischen mehr als 2000 Deserteure – und es werden immer mehr.
Moskau – Viele Russen wollen offenbar nicht für Wladimir Putin in den Ukraine-Krieg ziehen – und die Zahl der Verweigerer steigt weiter an. Britische Geheimdienste meldeten bereits, dass die Zahl russischer Deserteure zwischen Januar und Mai deutlich gestiegen ist.
Damals behandelten russische Militärgerichte 1053 Fälle von Fahnenflucht. Dann begann die ukrainische Gegenoffensive. Das russische unabhängige Medienunternehmen Mediazona hat nun aktuelle Zahlen zu russischen Kriegsdienstverweigerern vorgelegt.
Russlands Deserteure im Ukraine-Krieg: 100 Fälle pro Woche
Demnach verzeichneten Militärgerichte im ersten Halbjahr 2023 allein 2076 Fälle im Zusammenhang mit „unerlaubtem Fernbleiben“ an der Front im Ukraine-Krieg. Das sei doppelt so viel wie im Jahr 2022 und dreimal mehr als im Vorkriegsjahr 2021. In den vergangenen Monaten waren die meisten Angeklagten in diesen Fällen eingezogene Soldaten.
Besonders seit März 2023 sei die Zahl der Fälle von Soldaten, die nicht in den Ukraine-Krieg ziehen wollten, „außerordentlich“ angestiegen. Diesen folgten meist mehrmonatige Ermittlungen, hieß es in dem Bericht. Allein bis Juni verhängten russische Militärgerichte jede Woche 100 Urteile. Größtenteils betreffe das Männer, die bereits eingezogen wurden.

Kriegsdienstverweigerung in Russland hart geahndet
Seit Oktober 2022 wird unerlaubtes Fernbleiben im Ukraine-Krieg in Russland Straftat strafrechtlich verfolgt, schreibt Mediazona. Britische Geheimdienste wiesen in ihren publizierten Ukraine-Krieg-Updates darauf hin, dass Gerichtsakten darauf hinweisen, dass die meisten Deserteure zu Bewährungsstrafen verurteilt würden, um sie erneut im Krieg einsetzen zu können. Mediazona prangert überdies an, dass die Betroffenen „immer abhängiger“ von ihren Vorgesetzten würden, die sie jederzeit melden könnten – und die Bewährungsstrafe dann doch zu einer Gefängnisstrafe würde.
Fahnenflucht in Russland: „Ernüchterung der Soldaten“
Die Gerichte veröffentlichen laut Mediazona nicht den Wortlaut aller Urteile. Die Dokumente werden Wochen oder erst Monate nach der Urteilsverkündung auf den Websites der Gerichte veröffentlicht. So seien beispielsweise für den Herbst 2022 nur die Hälfte der Texte verfügbar, für März 2023 sogar nur ein Drittel.
„Das russische Militär hat seit Beginn der Operationen in der Ukraine Mühe, Disziplin in den eigenen Reihen durchzusetzen, aber diese Probleme haben sich höchstwahrscheinlich seit der erzwungenen Mobilmachung von Reservisten im Oktober 2022 verschlimmert“, urteilten britische Geheimdienste.
„Die russischen Bemühungen zur Verbesserung der Disziplin konzentrierten sich darauf, an Fahnenflüchtigen ein Exempel zu statuieren und patriotischen Eifer zu fördern, statt sich mit den Grundursachen der Ernüchterung der Soldaten zu befassen.“ (frs)
„Außerordentlicher“ Anstieg: So viele russische Soldaten desertieren pro Woche - fr.de
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