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Thursday, November 18, 2021

Videobeweis in Volleyball-Bundesliga: Viele Augen, noch mehr Kameras - Sportbuzzer

Der SC Potsdam nimmt am Freitag wieder zwei polnische Gäste in Empfang. Doch diese kommen nicht einfach nur, um sich in der MBS-Arena einen schönen Volleyballabend beim Frauen-Bundesligaspiel zwischen dem SCP und USC Münster zu machen. Sie sind dienstlich da, im Auftrag des in Warschau ansässigen Unternehmens Sport.Tech, das als Kooperationspartner der Volleyball-Bundesliga (VBL) den Einsatz der Videobeweis-Technik ermöglicht. Seit dieser Saison wird das sogenannte Challenge-System verstärkt in der Frauen-VBL genutzt, unter anderem bei allen Partien, die der Sender Sport1 live im Fernsehen überträgt. Am Freitag ist das ab 18.30 Uhr in Potsdam wieder der Fall.

Gegen das "emotionale Überkochen"

Dirk Berscheidt nennt sich selbst einen „großen Fan” des Videobeweises. Der 57-Jährige aus der Nähe von Köln kommentiert bei Sport1 die Volleyballspiele und ist von der Technik überzeugt. „Das ist eine signifikante Entlastung der Schiedsrichter, es macht das Spiel objektiver, gerechter”, findet er. „Manchmal sind Feinheiten – auch wegen der hohen Geschwindigkeit – einfach nicht genau zu erkennen, und manchmal passieren schlichtweg auch offenkundige Fehler. Das lässt sich so korrigieren.” SCP-Teammanager Eugen Benzel meint ebenfalls: „Das ist der richtige Weg, den wir damit gehen. Es werden so auch die Emotionen eingefangen, die bei einem Ungerechtigkeitsgefühl mal schnell überkochen können und dann einfach nicht gut für das Spiel und alle Beteiligten sind.”

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Krönung im Kajak-Vierer: Das deutsche Quartett mit Max Rendschmidt, Ronald Rauhe, Tom Liebscher und Max Lemke (v.l.) fuhr zum Olympiasieg.  ©

Mindestens 15 Kameras werden laut VBL installiert, neben den beiden Mitarbeitern des polnischen Partners ist ein Videoschiedsrichter im Einsatz, der Situationen am Spielfeldrand prüft. Die Trainer beider Mannschaften können theoretisch endlos viele Challenges beantragen, liegen sie jedoch zweimal in einem Satz falsch, steht ihnen das Mittel erst wieder im nächsten Durchgang zur Verfügung. Ball im Aus oder im Spielfeld? Block-, Netz- oder Antennenberührung? Linie übertreten? Bodenberührung des Balls? Das sind Entscheidungen, die kontrolliert werden können. „Ich finde, das läuft bisher sehr gut”, sagt Berscheidt. „Sicherlich sind da viele noch im Lernprozess.” Manchmal könnte seiner Meinung nach die Entscheidung „einen Tacken schneller fallen”. Teils dauert die Überprüfung gut zwei Minuten. Aufgrund der häufigeren Unterbrechungen entfallen beim Einsatz des Challenge-Systems auch die sonst obligatorischen zwei technischen Auszeiten pro Satz. „Und es wäre besser, wenn die Zuschauer in der Halle und am Fernseher schneller darüber informiert werden, was überprüft wird. Eine Einblendung wäre hilfreich”, sagt der Kommentator. Gut sei, dass nach dem Entschluss des Schiedsgerichts die Situation auch im Video noch mal für alle aufgeklärt wird. „Sichtbarkeit und Nachvollziehbarkeit sind wichtig und erzeugen einen Mehrwert für den Zuschauer”, betont Berscheidt.

Experten-Lob für die Arbeit beim SC Potsdam

Mehr als 50 Spiele in dieser Saison werden mit Videobeweis durchgeführt: neben den Sport1-Partien auch alle Matches in den Playoffs und ab dem Viertelfinale im DVV-Pokal. Hierbei trägt die VBL laut Benzel die Kosten von jeweils 800 Euro zuzüglich Fahrtgeld für das polnische Duo. Übernachtungen der beiden Techniker zahlen die Vereine. „Bei uns entfällt das auch mal, weil die Jungs nach dem Spiel gleich wieder zurückfahren wollen. Von Potsdam aus ist es nicht ganz so weit für sie”, erzählt der SCP-Manager. Darüber hinaus können Teams die Challenge-Nutzung auch untereinander für weitere Spiele vereinbaren. So machen es etwa die Top 4 der Liga – Stuttgart, Schwerin, Dresden, Potsdam – bei ihren direkten Duellen. In diesem Falle teilen sich die Clubs sämtliche Kosten.

Dirk Berscheidt kommentiert bei Sport1 die Volleyball-Übertragungen.
Dirk Berscheidt kommentiert bei Sport1 die Volleyball-Übertragungen. © Sport1/Rupp

Für Dirk Berscheidt ist der Videobeweis ein weiterer Beleg dafür, dass die VBL ihr Ziel, zu den drei stärksten Frauen-Volleyball-Ligen Europas gehören zu wollen, nachdrücklich verfolgt. „Die Liga professionalisiert sich. Das wird in der Darstellung der Präsentation deutlich”, sagt er. „Aber auch auf dem Feld. Das sportliche Niveau steigt in der Gesamtheit.” Und beim SC Potsdam im Speziellen. Der Verein habe sich kontinuierlich entwickelt. „Mir gefällt, dass die Verantwortlichen sich jetzt nicht damit zufriedengeben, in den Top 4 angekommen zu sein, sondern auch ganz oben angreifen wollen.” Mit dem ausgewogenen, variablen, im Vergleich zu früher tiefer besetzten Kader sei diese Saison viel möglich, meint er. Bisher gelangen sieben Siege in sieben Pflichtspielen. Fortsetzung soll gegen Münster folgen.

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