
Liveblog
Stand: 28.11.2021 10:48 Uhr
Drei Viertel aller Kliniken in Deutschland können den Normalbetrieb nicht mehr aufrechterhalten. Bildungsministerin Karliczek fordert, die Leopoldina-Empfehlungen zu strengeren Corona-Maßnahmen sofort umzusetzen. Alle Entwicklungen im Liveblog.
- RKI meldet 44.401 Neuinfektionen, Inzidenz steigt auf 446,7
- Karliczek fordert Umsetzung von Leopoldina-Empfehlungen
- Drei Viertel der Kliniken im Notbetrieb
- Bislang keine schweren Omikron-Verläufe in Südafrika
10:48 Uhr
Corona-Eklat in Portugals Fußball-Liga
In der portugiesischen Liga hat Corona für ein ungewöhnliches Spiel gesorgt: Weil Belenenses Lissabon nur noch sechs Spieler aufbieten konnte, wurde die Partie des Schlusslichts gegen Stadtrivale Benfica in der 48. Minute beim Stand von 0:7 abgebrochen. Grund für die Notlage beim Tabellenletzten: zahlreiche Coronafälle, wie die portugiesische Sportzeitung "A Bola" schrieb.
Das durch Corona-Fälle stark dezimierte Team vom Belenenses Lissabon vor dem Spiel gegen Benfica Bild: REUTERS
Belenenses konnte gegen Benfica von Anfang an nur neun Spieler aufbieten, darunter zwei Torhüter, von denen einer im Mittelfeld spielte. Auf der Ersatzbank: gähnende Leere. Belenenses-Präsident Rui Pedro Soares kritisierte die Liga, die den Club trotz zahlreicher Corona-Ausfälle zu dem Spiel gezwungen habe. Der Präsident von Benfica, Rui Costa, betonte, sein Verein sei nach dem Reglement zu dem Spiel verpflichtet gewesen, obwohl ihnen dabei alles andere als wohl gewesen sei.
Auf dem Spielfeld kam, was kommen musste: Gleich in der 1. Minute erzielte Kau von Belenenses den ersten Treffer, allerdings ins eigene Tor. Bis zur Halbzeit markierte der Favorit sechs weitere Tore. Nach der Halbzeit kehrten dann nur noch sieben Belenenses-Spieler auf den Rasen zurück, zwei blieben in der Umkleidekabine. Als dann auch noch João Monteiro, der Torwart, der im Mittelfeld spielen musste, verletzt ausfiel, brach der Schiedsrichter die Partie ab.
10:05 Uhr
Drosten rät zu Schnelltests für Geimpfte nur bei Symptomen
Der Berliner Virologe Christian Drosten hält 2G-Plus-Regelungen im privaten und öffentlichen Bereich nur für bedingt sinnvoll. "Eine blinde Testung bei gesunden Geimpften ist nicht nur logistisch schwierig, sondern möglicherweise auch in ihrer Aussagekraft eingeschränkt", sagte er dem "Spiegel". Bei Geimpften sei der Einsatz von Tests dann ratsam, wenn Symptome vorliegen. Es sehe bislang so aus, als ob Infektionen bei Geimpften gerade in den ersten Tagen der Infektion nicht so gut durch einen Antigen-Schnelltest nachzuweisen sind.
Die aktuelle Corona-Welle durch Tests zu durchbrechen, ist aus Sicht des Virologen nicht mehr realistisch. Der Aufwand zur Infektionskontrolle solle sich stattdessen darauf konzentrieren, neue Infektionen bei Ungeimpften zu vermeiden. "Eine neue Modellierungsstudie zeigt, dass selbst bei niedrigerer Impfquote die Übertragung ganz überwiegend von Ungeimpften ausgeht." Auf Twitter hatte sich Drosten bereits gegen 3G-Regeln ausgesprochen. Stattdessen gelte es, Impflücken zu schließen, zu boostern und bis dahin die Kontakte zu reduzieren.
08:48 Uhr
"Verfallsdatum" für Impfnachweis gefordert
Weltärztebund-Chef Frank Ulrich Montgomery schlägt eine Befristung des Impfstatus vor, um den Impfschutz der Bevölkerung zu verbessern. "Jede Impfung muss ein Verfallsdatum bekommen", sagte der Mediziner den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Wessen Impfung länger zurück liege, falle dann automatisch wieder zurück in den Status des Ungeimpften. Wer sich boostern lasse, gelte wieder als geimpft.
Dazu müsse jetzt geklärt werden, wie lange der Impfschutz jeweils halte und wann dieses Verfallsdatum angesetzt werden müsse, sagte Montgomery. In Frankreich sollen Booster-Impfungen in Zukunft verpflichtend sein, um den Status "geimpft" zu behalten. "Die Regelung brauchen wir auch in Deutschland", forderte der Weltärztebund-Chef.
Der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery. Bild: FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX
08:48 Uhr
Karliczek für Umsetzung der Leopoldina-Vorschläge
Die amtierende Bundesforschungsministerin Anja Karliczek fordert die Politik auf, die Empfehlungen der wissenschaftlichen Akademie Leopoldina wie Kontaktbeschränkungen auch für Corona-Geimpfte sofort umzusetzen. "Die Politik sollte dem Rat der Wissenschaft ohne Zögern folgen. Wir dürfen keine weitere Zeit mehr verlieren", sagte die CDU-Politikerin der Nachrichtenagentur dpa.
Am Samstag hatte die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina vorgeschlagen, rasch mehrwöchige Kontaktsperren auch für Geimpfte zu verhängen, um die starke vierte Corona-Welle zu brechen. Außerdem müssten bis Jahresende 30 Millionen Menschen in Deutschland eine Booster-Impfung erhalten. Eine Impfpflicht, zumindest für Bedienstete im Gesundheitswesen, sei notwendig.
07:01 Uhr
Bislang keine schweren Omikron-Verläufe in Südafrika
Die Menschen, die sich in Südafrika mit der Virus-Variante Omikron infiziert haben, sind bislang nicht schwer erkrankt. Die Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands, Angélique Coetzee, sagte der BBC, dass die bisher in ihrem Land festgestellten Fälle nicht schwerwiegend seien. Allerdings seien die Untersuchungen zu dieser Variante noch in einem sehr frühen Stadium, schränkte sie ein.
"Die Patienten klagen meist über einen schmerzenden Körper und Müdigkeit, extreme Müdigkeit, und wir sehen es bei der jüngeren Generation, nicht bei den älteren Menschen", sagte sie. Es handele sich nicht um Patienten, die direkt in ein Krankenhaus eingeliefert würden, sagte Coetzee.
Man müsse sich aber Sorgen machen, dass die Omikron-Variante ältere Menschen, die zusätzlich an Diabetes oder Herzkrankheiten litten, viel härter treffen könnte, sagte sie dem "Telegraph". In Südafrika leben - wie in vielen Staaten südlich der Sahara - anteilig nicht sehr viele ältere Menschen. Nur etwa sechs Prozent der Bevölkerung ist älter als 65 Jahre.
05:09 Uhr
Drei Viertel aller Kliniken verschieben OPs
Aufgrund der vielen Covid-Patienten auf Intensivstationen müssen immer mehr Kliniken in Deutschland sogenannte planbare Operationen verschieben. Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft kann der Normalbetrieb in mehr als drei Viertel aller Krankenhäuser in Deutschland mittlerweile nicht mehr aufrechterhalten werden, und diese Häuser müssen planbare Operationen verschieben.
"Die Lage ist wirklich zunehmend dramatisch und führt bei einem Teil der abgesetzten Behandlungen auch zu körperlichen und psychischen Belastungen bei den betroffenen Patienten", so der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, mit. Für die Krankenhäuser sei die Verschiebung planbarer Operationen derzeit das Mittel der Wahl, um die Versorgung akuter Fälle weiter leisten zu können. Aus den vergangenen Wellen wisse man um die gravierenden Folgen für die Patienten, so Gaß.
Zu den typischen planbaren Operationen gehören den Angaben zufolge vor allem orthopädische OPs. In der zweiten Pandemiewelle von Oktober 2020 bis Februar 2021 sind demnach 22 Prozent weniger Hüftprothesen operiert worden. Doch auch bei Krebsbehandlungen müssten Einschränkungen gemacht werden, hieß es. Auswertungen zeigten etwa, dass die Fallzahlen bei Krebs-OPs beim Brustkrebs um sechs und bei Darmkrebs sogar um 18 Prozent zurückgegangen seien.
04:10 Uhr
Bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei 446,7
Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen verzeichnet wieder einen neuen Höchstwert: Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) erhöhte sich der Wert auf 446,7. Am Samstag hatte er bei 444,3 gelegen, am Sonntag vergangener Woche bei 372,7. Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche an. Am 8. November hatte der Wert in Deutschland erstmals die Schwelle von 200 und damit die bisherige Höchstmarke seit Pandemie-Beginn vom Dezember 2020 (197,6) übersprungen. Seitdem wurden täglich neue Höchstwerte registriert.
Vor allem im Süden und Osten Deutschlands bleiben die Infektionszahlen hoch. In Sachsen stieg die Sieben-Tage-Inzidenz auf 1205,5, das ist weiterhin den höchste Wert unter den 16 Bundesländern. Es folgen Thüringen mit 878,4 und Sachsen-Anhalt mit 719,7. In Brandenburg ist der Wert auf über 700 gestiegen und liegt nun bei 709,4. Bayern verzeichnet eine Inzidenz von 632,2. Den niedrigsten Wert hat weiterhin Schleswig-Holstein mit 150,8.
Bundesweit wurden laut RKI binnen 24 Stunden 44.401 Neuinfektionen mit dem Coronavirus verzeichnet - allerdings übermitteln nicht alle Gesundheitsämter am Wochenende ihre Daten. Am Freitag war die bisher höchste Zahl von 76.414 neuen Fällen registriert worden.
Die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit dem Coronavirus in Deutschland stieg laut RKI um 104 auf 100.883 Fälle.
03:45 Uhr
Schausteller fordern staatliche Finanzhilfen
Angesichts der Absage vieler Weihnachtsmärkte fordert der Deutsche Schaustellerbund massive staatliche Finanzhilfen. Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbundes, sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Es muss eigentlich zu einer hundertprozentigen Entschädigung kommen. Mindestens brauchen wir wie im vergangenen Jahr eine November- und Dezemberhilfe. Sonst stehen viele Schausteller vor dem Aus." Die wirtschaftliche Lage der Schausteller sei "äußerst dramatisch", sagte Ritter. Die Bundesregierung müsse bei den Hilfen massiv nachbessern.
03:34 Uhr
Heil will Impfpflicht für Heime und Kliniken vor Weihnachten
Der geschäftsführende Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will die Impfpflicht für Kliniken und Heime noch vor Weihnachten umsetzen. "Ich finde es richtig, dass wir in einem ersten Schritt noch vor Weihnachten dafür sorgen, dass es zum Beispiel in Kliniken, in Pflege-, Alten- und Behinderteneinrichtungen eine Impfverpflichtung gibt", sagte Heil der "Bild am Sonntag." Auch Profi-Sportler hätten eine "moralische Impfpflicht". Das Wichtigste sei, dass sich mehr Menschen impfen lassen. Das gelte auch für diejenigen, die viel verdienen und im Rampenlicht stehen, zum Beispiel Profi-Fußballer.
Heil befürwortet auch eine allgemeine Impfpflicht, eine Debatte darüber müsse jedoch richtig geführt werden: "Denn wenn die Impfpflicht kommen soll, muss sie rechtssicher und praktisch umsetzbar sein."
03:02 Uhr
Lehrergewerkschaften fordern mehr Unterstützung für Schulen
Die großen Lehrergewerkschaften Deutschlands kritisieren, dass es an den meisten Schulen nach wie vor keine Luftfilteranlagen gibt. Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbands für Bildung und Erziehung (VBE) führt dies auf komplizierte Förderverfahren und die Finanzschwäche der Kommunen zurück. "Zwar hat der Bund 80 Prozent der Förderung bereitgestellt, aber viele Kommunen hatten nicht die Kraft, die fehlenden 20 Prozent beizusteuern", sagte er einem dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Maike Finnern, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) betonte, es müsse mehr Unterstützung für Schulen geben. "Viele Schulen werden in einer Notlage, in der sie Unterstützung dringender denn je benötigen, weitgehend allein gelassen." Immer mehr Schulen müssten bereits wegen Corona-Ausbrüchen schließen, in Sachsen betreffe das bereits etwa jede vierte Schule. Notfalls müsse man die Weihnachtsferien vorziehen.
02:50 Uhr
Der Liveblog vom Samstag zum Nachlesen
Coronavirus-Pandemie: ++ Viele Kliniken verschieben OPs ++ | tagesschau.de - tagesschau.de
Read More
No comments:
Post a Comment