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Wednesday, November 17, 2021

Corona: Viele Krankenhäuser machen für Besucher dicht - DIE WELT

Ab sofort ist sie für Auswärtige verschlossen, die Pforte am Uniklinikum Jena (UKJ). Besucher dürfen das Krankenhaus nur noch in dringenden Ausnahmefällen betreten, etwa wenn es um kritische Therapie-Entscheidungen geht, um ganz junge Patienten oder Sterbende zum Abschiednehmen.

Reguläre Besuche dagegen sind bis auf Weiteres komplett gestrichen. Und draußen bleiben müssen neben Mitarbeitern anderer Kliniken auch Dienstleister oder Journalisten. Man habe das Verbot so lange wie möglich hinauszuzögern versucht, bedauert der medizinische UKJ-Vorstand Otto Witte: „Aber die Entwicklung des Infektionsgeschehens um uns herum ist so rasant, dass wir zum Schutze aller unserer Patienten und Mitarbeiter diesen Schritt gehen müssen.“

Landeskliniken stellen Triage-Team zusammen

In unserem Nachbarland Österreich nimmt die Corona-Lage dramatische Züge an. Die Krankenhaus-Versorgung im Bundesland Salzburg droht zusammenzubrechen. Um für den entscheidenden Punkt aufgestellt zu sein, wurde nun ein Triage-Team zusammengestellt.

Quelle: WELT/ Marian Grunden

Wie in Jena treten gerade viele Kliniken und Pflegeeinrichtungen bundesweit voll auf die Notbremse. Zuerst wurden allerorten planbare Operationen abgesagt. Nun verhängen immer mehr Häuser ein striktes Besucherverbot.

Die Sana-Kliniken in Lübeck und Travemünde sind ebenso betroffen wie das Uni-Klinikum München, die Uniklinik Dresden ist ebenso dicht für den Besucherverkehr wie mehrere Krankenhäuser in Thüringen, das Kreisklinikum im baden-württembergischen Tuttlingen oder die Karlsruher ViDia-Kliniken. Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen, beteuert ViDia-Vorstandschef Richard Wentges: „Wir wissen um die Bedeutung sozialer Kontakte für den Genesungsprozess.“ Aber es gehe nun einmal um den bestmöglichen Schutz von Mitarbeitern und Patienten.

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LEIPZIG, GERMANY - JANUARY 12: Doctors and nurses consult before tending to a newly-arrived Covid patient at the Covid intensive care unit at Leipzig university hospital (Universitaetsklinikum Leipzig) during the second wave of the coronavirus pandemic on January 12, 2021 in Leipzig, Germany. The hospital currently has 43 Covid patients in intensive care. A staff member said the numbers have spiked and ebbed in recent months but are rising overall. Of those Covid patients admitted for intensive care, roughly half do not survive, she said. The state of Saxony, where Leipzig is located, currently has the highest Covid infection rate of any state in Germany. The total number of Covid-related deaths to date in Saxony has skyrocketed, from 458 two months ago, on November 11, to approximately 4,130 today. (Photo by Sean Gallup/Getty Images)
Lage auf Intensivstationen
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Sie wiederholt sich also doch, diese dramatische Entwicklung, die Patienten und ihre Angehörigen bereits in früheren Phasen der Pandemie schwer belastete. Allein und ohne ein paar tröstende Worte von Angehörigen oder auch nur frische Wäsche, ein bisschen Schokolade oder neue Zeitschriften im Krankenbett zu liegen – das war für viele Menschen eine traumatische Erfahrung. Noch schlimmer traf es Senioren-Einrichtungen, wo ältere Menschen nach Monaten ohne Kontakt oft einen Demenzschub erlitten und die eigenen Kinder nicht wiedererkannten.

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Schon im Herbst 2020 hatte die Bundesregierung deshalb versichert, Besuchsverbote solle es nicht mehr geben, vor allem nicht in Seniorenheimen. Doch das Versprechen war fast schon zu dem Zeitpunkt obsolet, als es gegeben wurde. Durch teils sehr strenge Auflagen war in manchen Einrichtungen ein normaler Kontakt weiterhin kaum möglich. Und mittlerweile gab es auch längst wieder ganz offiziell strikte Besuchsbeschränkungen. Grund waren Impfdurchbrüche in Pflegeheimen mit teils Dutzenden Infizierten und auch Todesfällen.

Wellenkamm noch lange nicht erreicht?

Nun strecken also auch viele Krankenhäuser wieder die Fahnen. Im Kreis-Klinikum Tuttlingen bittet man zwar um Verständnis. Man habe gehofft, dass wegen der Impfungen Besuchsverbote der Vergangenheit angehören würden. Doch die vierte Welle habe sein Klinikum mit „großer Wucht“ getroffen, die Stationen seien übervoll, sagte Klinik-Geschäftsführer Sebastian Freytag. Er hält den Wellenkamm für noch lange nicht erreicht und verhängte daher ein Besuchsverbot.

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Manche Kliniken schotten sich sogar schon zwei Wochen oder länger ab. In die Häuser Altötting, Mühldorf und Haag des bayerischen InnKlinikums bekommen seit 4. November nur noch die Begleiter von Sterben und Gebärenden Einlass, außerdem die Eltern kranker Kinder. „Die Situation in unseren Kliniken ist sehr ernst“, warnte Vorstandschef Thomas Ewald seinerzeit. Schon Anfang November waren seine Intensiv- und Überwachungsstationen bis aufs letzte Bett belegt, manchmal sogar überbelegt.

„Dramatische Lage“ – Merkel will Schwellenwert für Hospitalisierung durchsetzen 

Angela Merkel (CDU) will einen verbindlichen Wert für zusätzliche Maßnahmen beim sogenannten Hospitalisierungsindex festlegen und bezeichnete die aktuelle Lage im Land als „dramatisch“. Ohne Schwellenwert bliebe der Index, der die Lage in den Krankenhäusern widerspiegelt, „ein zahnloser Tiger“.

Quelle: WELT

Selbst in den sonstigen Stationen seien die Kapazitäten fast erschöpft, sagte Ewald. Zugleich wachse die Zahl der Covid-Patienten „täglich besorgniserregend“, der Großteil davon ungeimpft. Als es dann nur noch wenige Verlegungsmöglichkeiten gab, und das auch über weite Entfernungen, entschied sich das InnKlinikum zum Besuchsverbot.

Andere Krankenhäuser versuchen es derweil noch mit stärkeren Beschränkungen der Besuchsregelung. So gilt an der Charité ein 2G-Gebot, und zwar mit der Besonderheit, dass nicht nur die Genesung nach einer Covid-Infektion höchstens sechs Monate zurückliegen darf, sondern auch die zweite Impfung. Mit anderen Worten: In dem Berliner Krankenhaus muss man ab Monat sieben nach der Impfung geboostert sein, sonst gibt es keinen Einlass mehr.

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In den Häusern der Katholischen Hospital-Vereinigung Ostwestfalen gilt künftig ebenfalls die 2G-Regel, mit einer strengen Anwendung wiederum für Kinder und werdende Väter: In den Krankenhäusern von Wiedenbrück, Bielefeld und Herford muss ein Mann zwingend geimpft oder genesen sein, wenn er bei der Geburt seines Babys dabei sein will. Kinder bis zwölf Jahre dürfen gar nicht mehr in die Krankenzimmer.

„Krankenhäuser entscheiden selbst, ab wann ein Besuchsstopp notwendig ist“, sagt der Geschäftsführer der Thüringer Krankenhausgesellschaft, Rainer Poniewaß. Natürlich seien Besuche erwünscht und die Kliniken auch bestrebt, diese zu ermöglichen. Aber seit immer mehr Corona-Infizierte eingeliefert würden, müsse jedes Haus seine Risiken abwägen. Das Ergebnis lautet immer öfter: Türen zu.

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