Arbeitsüberlastung, Lehrkräftemangel, Corona: Viele Schulleitungen sind unzufrieden - DER SPIEGEL
Dieser Job ist nicht weiterzuempfehlen: Das findet fast die Hälfte der Schulleiterinnen und -leiter, zeigt eine Umfrage. Nur zwei Prozent aller Befragten fühlen sich von der Politik ausreichend unterstützt.
Luftaufnahme von einem Schulhof: »Die Politik ignoriert die Realität an den Schulen und bürdet den Schulleitungen immer mehr Aufgaben auf«
Foto: Hans Blossey / IMAGO
Demotiviert und ernüchtert: Jede fünfte Schulleitung unter 55 Jahren sieht sich in zehn Jahren nicht mehr in ihrem Job. Wie eine am Freitag in Düsseldorf veröffentlichte repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) zeigt, wollen 21 Prozent der unter 55-jährigen Schulleiter und Schulleiterinnen ihren Beruf dann voraussichtlich nicht mehr ausüben. Mit 46 Prozent würde zudem fast die Hälfte aller Befragten diesen »wahrscheinlich nicht« oder sogar »auf keinen Fall« weiterempfehlen.
56 Prozent dieser Altersgruppe sehen sich hingegen weiterhin als Direktorin oder Rektor einer Schule.
Mehrheit hat positive Einstellung
Der Aussage, den Beruf momentan »sehr gern« auszuüben, stimmte nicht einmal jede dritte Schulleitung zu – 2019 hatten dies mit 58 Prozent noch fast doppelt so viele getan. Dafür versechsfachte sich seither der Wert derer, die ihrem Job »eher beziehungsweise sehr ungern« nachgehen, von vier auf 25 Prozent. Gegenüber der Befragung in der Coronakrise im November 2020 ging der Anteil hingegen leicht zurück. Damals waren es noch 27 Prozent.
In der Gesamtschau betrachtet, hat die große Mehrheit der Schulleitungen (75 Prozent) aber weiterhin eine positive Einstellung zu dem Beruf (»eher gern« und »sehr gern«). Für die Erhebung wurden von September bis Oktober 1300 Schulleiterinnen und Schulleiter repräsentativ befragt.
Lehrkräftemangel, Corona, Arbeitsbelastung
Als größtes Schulproblem wird nach wie vor der Lehrkräftemangel genannt (46 Prozent). Fast zwei Drittel der Befragten (63 Prozent) haben an ihren Schulen mit Lehrkräftemangel zu kämpfen. 2019 war es noch die Hälfte. Besonders betroffen sind Förderschulen. Für ein Drittel (33 Prozent) der Schulleitungen zählen Corona und die Schutzmaßnahmen zu den derzeit größten Problemen, für 31 Prozent Arbeitsbelastung und Zeitmangel.
Mit 80 Prozent stimmte ein Großteil der Schulleitungen der Aussage zu, dass die Politik bei ihren Entscheidungen den tatsächlichen Schulalltag nicht ausreichend beachte. Von den zuständigen Ministerinnen oder Ministern hatten sich 2019 noch zehn Prozent unterstützt gefühlt – nun waren es nur noch zwei Prozent der Befragten.
Warnung vor innerer Kündigung
»Die Politik ignoriert die Realität an den Schulen und bürdet den Schulleitungen immer mehr Aufgaben auf«, erklärte VBE-Bundeschef Udo Beckmann. Die Umfrage, die der Verband seit 2018 erhebt, zeige »einen klaren Negativtrend«. Die Motivation schwinde, die Ernüchterung nehme zu. »Es wäre nicht verwunderlich, wenn dann aus der inneren Kündigung bald Taten werden«, erklärte Beckmann weiter.
Die digitale Ausstattung an den Schulen verbessert sich laut der Umfrage mittlerweile. 93 Prozent der Befragten gaben an, Anträge auf Geld aus dem Digitalpakt gestellt zu haben. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) bejahten die Frage nach Breitbandinternet und WLAN in den Klassenräumen. Auch Klassensätze an Tablets und Smartphones für die Schüler waren für 71 Prozent der Schulleitungen verfügbar. Bei einer Befragung aus dem Sommer hielt allerdings fast die Hälfte der Lehrkräfte die IT-Ausstattung für nicht ausreichend.
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