
Stand: 15.07.2021 22:03 Uhr
Eine der größten Unwetterkatastrophen der Nachkriegszeit hat in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz schwerste Verwüstungen angerichtet. Schon jetzt forderte sie mehr Tote als das "Jahrhunderthochwasser" 2002.
Wegen starker Überflutungen sind in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Es wurden massive Schäden verursacht. Weil noch viele Menschen vermisst werden, ist die genaue Zahl der Opfer bislang unbekannt.
"Wir gehen davon aus, dass wir neun weitere Tote bergen konnten durch die Feuerwehr, das ist jedenfalls die Meldung der technischen Einsatzleitung", sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) im SWR.
In Rheinland-Pfalz war der Raum Bad Neuenahr-Ahrweiler mit 19 Toten besonders betroffen. Allein im 700 Einwohner zählenden Dorf Schuld an der Ahr waren sechs Häuser eingestürzt, etwa 40 Prozent der weiteren Wohngebäude wurden beschädigt. In dem Bundesland wurden bisher 28 Todesfälle registriert.
In Trier wurden Anwohner mit einem Bagger und einem Boot aus einem überfluteten Teil der Stadt gerettet. Bild: dpa
Im Landkreis Trier-Saarburg wurden hunderte Häuser beschädigt. Die Schäden reichten von voll gelaufenen Kellern bis hin zum Totalverlust von Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden wie beispielsweise einer Kläranlage, sagte ein Sprecher des Kreises.
Bisher 30 Tote in Nordrhein-Westfalen
In Nordrhein-Westfalen starben im Zusammenhang mit dem Hochwasser mindestens 30 Menschen, davon 15 im südlich von Köln gelegenen Kreis Euskirchen. Da an vielen Orten das Strom- und Telefonnetz ausfiel und Rettungseinsätze noch liefen, blieb die Lage unübersichtlich. Mehrere Kreise in der Eifel riefen Katastrophenalarm aus.
Die Zahl der Toten in den beiden Bundesländern lag damit noch während der laufenden Rettungsmaßnahmen bereits mehr als doppelt so hoch wie beim sogenannten Jahrhunderthochwasser im Jahr 2002, bei dem in Deutschland 21 Menschen starben.
Die Polizei bat in allen betroffenen Landkreisen um Hinweise der Bevölkerung auf Vermisste. Gleichzeitig rief sie aber auch dazu auf, die betroffenen Orte zu meiden. Wiederholt behinderten Schaulustige die Rettungseinsätze, außerdem musste die Polizei Plünderer fernhalten.
Bundeswehr verstärkt Rettungseinsatz
Die Bundeswehr hat mittlerweile weitere Soldaten in den Hilfseinsatz geschickt. Inzwischen seien mindestens 850 Männer und Frauen zur Unterstützung der Rettungsarbeiten eingesetzt, sagte ein Bundeswehrsprecher. So seien im Raum Hagen 230 Soldaten und Großgerät im Einsatz, darunter zwei Bergepanzer, Lastwagen und Radlader. In Leverkusen helfen 200 Soldaten beim Befüllen von Sandsäcken. In Aachen waren zwei Bergepanzer und ein Rettungshubschrauber "SAR" unterwegs.
Die Bundeswehr setzt Panzer zur Bergung ein - wie hier in Aachen. Bild: dpa
Talsperren werden abgelassen, Trinkwasser teilweise kontaminiert
An einigen Talsperren wird das Wasser kontrolliert abgelassen, einige anliegende Ortschaften werden evakuiert. Mehrere Tausend Einwohner sind betroffen. In mehreren Städten im Ruhrgebiet sollen Anwohner wegen des Hochwassers ihr Trinkwasser abkochen. Durch das Hochwasser sei das Uferfiltrat von Flusswasser beeinträchtigt worden, daher sei mit gravierenden Geschmacks- und Geruchsveränderungen zu rechnen.
Überflutungen und Dauerregen: Viele Tote, unabsehbare Schäden | tagesschau.de - tagesschau.de
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