
Im Landkreis Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) starben vier Menschen nach den schweren Überflutungen. Das bestätigte ein Sprecher der Polizei in Koblenz. Die genauen Umstände ihres Todes seien noch unklar. Die Opfer wurden demnach an mehreren Orten gefunden.
In Köln fand die Feuerwehr zwei Tote in überfluteten Kellern. Dabei handelte es sich um eine 72-jährige Frau sowie einen 54-jährigen Mann, wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten. Demnach entdeckten Feuerwehrleute die Leiche der Frau am Abend im Stadtteil Bocklemünd-Mengenich. Etwa zwei Stunden später fanden sie den Angaben zufolge den 54-jährigen Bewohner eines Einfamilienhauses im Stadtteil Lövenich.
In Solingen stürzte nach Polizeiangaben ein 82-Jähriger und geriet mit dem Kopf unter Wasser. Der Rentner sei später im Krankenhaus gestorben. Im Kreis Unna starb ein 77-Jähriger ebenfalls im unter Wasser stehenden Keller seines Wohnhauses. Auch in Rheinbach gab es laut Kölner Polizei einen Todesfall im Zusammenhang mit der Unwetterlage.
Zwei Feuerwehrleute sterben in NRW
Im Einsatz gegen die Auswirkungen der Unwetter kamen zwei Feuerwehrleute im Märkischen Kreis südlich von Dortmund ums Leben .
In Altena war die Feuerwehr am Mittwochabend im Einsatz, um einen ins Wasser geratenen Mann zu retten. Dabei fiel ein 46-jähriger Feuerwehrmann selbst ins Wasser und wurde abgetrieben, wie die Polizei in Altena mitteilte. Er sei kurze Zeit später tot geborgen worden.
Nur zwei Stunden später kollabierte ein 52 Jahre alter Feuerwehrmann bei einem Einsatz im Bereich des Kraftwerks Werdohl-Elverlingsen. Er sei am Mittwochabend trotz Reanimations- und Hilfsmaßnahmen gestorben, teilte die Polizei mit. Die Polizei gehe von einem gesundheitlichen Notfall aus.
Sechs Häuser eingestürzt
In der besonders schwer betroffenen Gemeinde Schuld im Landkreis Ahrweiler sind in der Nacht nach Überflutungen sechs Häuser eingestürzt, etliche weitere sind nach Angaben der Polizei instabil und drohen ebenfalls einzustürzen. Die Lage in dem Ort sei unübersichtlich, so ein Sprecher der Polizei, nach Behördenangaben werden derzeit 70 Menschen vermisst.
Menschen flüchten auf Dächer
Nach Angaben der Polizei waren im Landkreis Ahrweiler mehrere Orte wegen Hochwassers von der Außenwelt abgeschnitten. Etwa 50 Menschen seien auf die Dächer ihrer Häuser geflüchtet. Sie müssen vermutlich mit Hubschraubern gerettet werden, da die Strömung der Wassermassen für die Rettungskräfte zu stark ist. Landrat Jürgen Pföhler rief die Menschen auf, möglichst zu Hause bleiben und "sich gegebenenfalls in höher gelegene Stockwerke" zu begeben. "Die Lage ist sehr ernst", sagte er.
Katastrophenfall in vier Landkreisen
Die Kreise Vulkaneifel, Trier-Saarburg, Bitburg-Prüm und Ahrweiler riefen den Katastrophenfall aus. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm ist die Situation wegen Hochwassers nach Angaben eines Kreis-Sprechers extrem gefährlich. In Messerich in der Eifel wurden nach Angaben des Kreises zwei Helfer des Technischen Hilfswerks von den Fluten eingeschlossen, es besteht Lebensgefahr, wie der SWR berichtete. In Wittlich im Landkreis Bernkastel-Wittlich sind Teile der Innenstadt überflutet.
Alle Zufahrtswege zur Gemeinde Kordel im Landkreis Trier-Saarburg sind derzeit abgeschnitten. Der Ort mit rund 2.000 Einwohnern sei momentan nicht erreichbar, sagte ein Kreissprecher. Man versuche nun mit Hilfe der Bundeswehr mit Wasserfahrzeugen die Bewohner zu erreichen. Meldungen über Tote und Vermisste gebe es bisher nicht. Ähnliche Rettungsaktionen gebe es auch an dem wenige Kilometer entfernten Fluss Sauer
Dreyer: Situation "wirklich verheerend"
Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hat die Lage in den Hochwassergebieten des Landes mit dramatischen Worten als bisher noch nie erlebte Katastrophe geschildert. "Es gibt Tote, es gibt Vermisste, es gibt viele, die noch in Gefahr sind", sagte Dreyer zu Beginn der Landtagsplenarsitzung in Mainz. Das Land habe zwar schon einige Hochwasser erlebt, aber noch kein solches: "So eine Katastrophe haben wir noch nicht gesehen. Es ist wirklich verheerend." Ganze Orte seien überflutet, Häuser seien einfach weggeschwommen, vielerorts funktioniere auch das für Notrufe wichtige Mobilfunknetz nicht. 200 Bundeswehrsoldaten seien im Einsatz, so Dreyer, Hubschrauber der Polizei sollten Menschen von Hausdächern bergen.
Weiter steigende Wasserstände erwartet
Bei den Unwettern im Norden von Rheinland-Pfalz sind laut dem Mainzer Klimaschutzministerium bis zu 148 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Für den Hochsommer sei das "ein neues Phänomen", erklärte Ministerin Anne Spiegel (Grüne): "Die aktuellen Extremwetterereignisse in Form von Starkregen sind dramatisch." Aus kleinen Bächen seien unberechenbare Fluten geworden.
Auch an der Mosel verschärft sich die Lage nach Angaben des Ministeriums. Zurzeit werde am Pegel Trier ein Wasserstand bis 9,15 Metern erwartet. Nach kurzem, leichtem Rückgang seien wegen der für den Südwesten vorhergesagten Niederschläge dann ab Donnerstagabend wieder steigende Wasserstände zu erwarten.
Mindestens elf Tote bei Unwettern – Viele Menschen vermisst - BR24
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